144 Novellistische Fragmente.
die Feinde Augen hatten, so daß der arme Säcmann schon gleichnur Arger und Schmähung einerntete. Mänuiglich bekannt sind diegiftigen Jämmerlichkeiten, welche die ultramvntauc aristokratischePropaganda in München gegen mich und meine Freunde ausübte.
„Hüten Sie sich, in München mit den Pfaffen zu kollidieren,"waren die letzten Worte, welche mir Börne beim Abschied ins Ohrflüsterte. Als ich schon im Coups des Postwagens saß, blickte er mirnoch lange nach, wehmütig, wie ein alter Seemann, der sich aufsfeste Land zurückgezogen hat und sich von Mitleid bewegt fühlt, wenner einen jungen Fant sieht, der sich zum ersten Male nnfs Meerbcgiebt . . . Der Alte glaubte damals, dem tückischen Elemente ansewig Valct gesagt zu haben und den Nest seiner Tage im sicherenHafen beschließen zu können. Armer Mann! Die Götter wolltenihm diese Ruhe nicht gönnen! Er mnßte bald wieder hinaus ans diehohe See, und dort begegneten sich unsere Schiffe, während jenerfurchtbare Sturm wütete, worin er zu Grunde ging. Wie da? heulte!wie das krachte! Beim Licht der gelben Blitze, die aus dem schwarzenGewölk Herabschossen, konnte ich genau sehen, wie Mut und Sorgeans dem Gesichte des Mannes schmerzlich wechselten! Er stand amSteuer seines Schiffes und trotzte dem Ungestüm der Wellen, die ihnmanchmal zu verschlingen drohten, manchmal ihn nur kleinlich be-spritzten und durchnäßten, was einen so kummervollen und zugleichkomischen Anblick gewährte, daß man darüber weinen und lachen konnte.Armer Mann! Sein Schiff war ohne Anker und sein Herz ohne Hoff-nung . . . Ich sah, wie der Mast brach, wie die Winde das Tauwerkzerrissen ... Ich sah, wie er die Hand nach mir ausstreckte . . .
Ich durfte sie nicht erfassen, ich durfte die kostbare Ladung, dieheiligen Schätze, die mir vertraut, nicht dem sicheren Verderben preis-geben . . . Ich trug an Bord meines Schiffes die Götter der Zukunft.
Zweites Buch.
Helgoland, den 1. ZnlinS 18ZV.
— — Ich selber bin dieses Guerilla-KriegeS müde und sehnemi ch nach Ruhe, wenigstens nach einem Zustand, Ivo ich mich meinennatürlichen Neigungen, meiner träumerischen Art und Weise, meinemphantastischen Sinnen und Grübeln ganz fesscllos hingeben kann.Welche Ironie des Geschickes, daß ich, der ich mich so gerne auf diePfühle des stillen beschaulichen GemütlebenS bette, daß eben ich dazubestimmt war, meine armen Mitdeutschen aus ihrer Behaglichkeithervvrzugeißeln und in die Bewegung hineinznhetzcn! Ich, der ichmich am liebsten damit beschäftige, Wolkenzüge zu beobachten, metrischeWortznuber zu erklügeln, die Geheimnisse der Elcmentargeister zu er-lauschen, und mich in die Wnndcrwelt alter Märchen zu versenken . . .