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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
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222 Novellistische Fragmente.

in derselben Weise nicht bloß des Jndiffercntisinus, sondern anch desWiderspruchs mit mir selber bezichtigt. Es lassen sich hier sogareinige Zischlaute vernehmen, die - (können die ^.oten im Krabeerröten?! — ja, ich kann dem Verstorbenen diese Beschämung nichtersparen: er hat sogar auf Bestechlichkeit hingedeutet . . .

Schöne, süße Ruhe, die ich in diesem Augenblick in tiefster Seeleempfinde! Du belohnst mich hinreichend für alles, was ich gethan,und für alles, was ich verschmäht ... Ich werde mich weder gegenden Vorwurf der Indifferenz, noch gegen den Verdacht der Feilheitverteidigen. Ich habe es vor Jahren, bei Lebzeiten der Jnsinnnnten,meiner unwürdig gehalten: jetzt fordert Schweigen sogar der Anstand.Das gäbe ein grauenhaftes Schauspiel . . . Polemik zwischen demTod und dem Exil! — Du reichst mir aus dem Grabe die bittendeHand? . . . Ohne Groll reiche ich dir die mcinige . . . Sieh, wieschön ist sie und rein! Sie ward nie besudelt von dem Händedruck desPöbels, ebensowenig wie vom schmutzigen Golde der Volksfeinde. . .Im Grunde hast du mich ja nie beleidigt ... In allen deinen In-sinuationen ist anch für keinen Lvnisdvr Wahrheit!

Die Stelle in Börnes Pariser Briefen, Ivo er am nnnmwnndcnstenmich angriff, ist zugleich so charakteristisch zur Beurteilung des Mannesselbst, seines StileS, seiner Leidenschaft und seiner Blindheit, daß ichnicht umhin kann, sie hier mitzuteilen. Trotz des bittersten Wollen?war er nie im Stande, mich zu verletzen, und alles, was er hier,sowie auch in den erwähnten Artikeln des „Rcfvrmateur" zu meinemNachteil vorbrachte, konnte ich mit einem Glcichmute lesen, als wärees nicht gegen mich gerichtet, sondern etwa gegen Nabnchodvnosor,König von Babylon, oder gegen den Kalifen Harun-al-Naschid, odergegen Friedrich den Großen, welcher die Pasguillc auf seine Person,die an den Berliner Straßenecken etwas zu hoch hingen, viel niedrigeranzuheften befahl, damit das Publikum sie besser lesen könne. Dieerwähnte Stelle ist datiert von Paris, den LS. Februar 1833, undlautet folgendermaßen:

„Soll ich über Heines .Französische Zustände' ein vernünftigWort versuchen? Ich wage es nicht. DaS fliegenartige Mißbehagen,das mir beim Lesen des Buches um den Kopf summte, und sich baldauf diese, bald auf jene Empfindung setzte, hat mich so ärgerlich ge-stimmt, daß ich mich nicht verbürgen kann — ich sage nicht: für dieRichtigkeit meines Urteils, denn solche anmaßlichc Bürgschaft über-nehme ich nie — sondern nicht einmal für die Aufrichtigkeit meinesUrteils. Dabei bin ich aber besonnen genug geblieben, um zu ver-muten, daß diese Verstimmung nicht Heines Schuld ist. Wer sogroße Geheimnisse wie er besitzt, als wie: in der dreihundertjtthrigenUnmenschlichkeit der österreichischen Politik eine erhabene Ausdauerzu finden und in dem Könige von Bayern einen der edelsten und