218 Novellistische Fragmente,
zum heiligen Todcssieg für das Baterland — — — Das ist nunlange her, mürrisch und müßig sitze ich an der Nue Laffitte und harredeS Kampfes, und unterdessen welken die Blumen auf meinem Haupte,und auch meine Haare färben sich weiß, und mein Herz erkrankt mirin der Brust , . . Heiliger Gott! was wird einem die Zeit so langbei solchem thatlosen Harren, und am Ende stirbt mir noch der Mnt,,,Ich sehe, wie die Leute vorbeigehen, mich mitleidig anschauen undeinander zuflüstern: „Der arme Narr!"
Wie die Nachtträume meine Tagesgedanken verhöhnen, so ge-schieht es auch zuweilen, daß die Gedanken des Tages über die unsinnigen Nachtträume sich lustig machen, und mit Recht, denn ichhandle im Traume oft wie ein wahrer Dummkopf, Jüngst träumtemir, ich machte eine große Reise durch ganz Europa, nur daß ichmich dabei keines Wagens mit Pferden, sondern eines gar prächtigenSchiffes bediente. Das ging gut, wenn ein Fluß oder ein See sichauf meinem Wege befand. Solches war aber der seltenere Fall, undgewöhnlich mußte ich über festes Land, ivas für mich sehr nnbcguem,da ich alsdann mein Schiff über weite Ebenen, Waldstege, Moorgründe, und sogar über hohe Berge fortschleppen mußte, bis ich wiederan einen Fluß oder See kam, wo ich gemächlich segeln konnte, Gcwohnlich aber, wie gesagt, mußte ich mein Fahrzeug selber fortschleppe»,was mir sehr viel Zeitverlust und nicht geringe Anstrengung kostete,so daß ich am Ende vor Überdruß und Müdigkeit erwachte. Nunaber, des Mvrgens beim ruhigen Kaffee, machte ich die richtige Be-merkung, daß ich weit schneller und bequemer gereist wäre, wenn ichgar kein Schiff besessen hätte und wie ein gewöhnlicher armer Teufelimmer zu Fuß gegangen wäre.
Am Ende kommt es auf eins heraus, wie wir die große Reisegemacht haben, ob zu Fuß oder zu Pferd oder zu Schiff . , , Wirgelangen am Ende alle in dieselbe Herberge, in dieselbe schlechte Schenke,wo man die Thiire mit einer Schaufel aufmacht, wo die Stube soeng, so kalt, so dunkel, wo man aber gut schläft, fast gar zu gut , . .
Ob wir einst auferstehen? Sonderbar! meine Tagesgcdankcnverneinen diese Frage, und aus reinem Widerspruchsgeiste wird sievon meinen Nachttränmen bejaht. So z, B, träumte mir unlängst,ich sei in der ersten Mvrgenfrühe nach dein Kirchhof gegangen, unddort, zu meiner höchsten Verwunderung, sah ich, wie bei jedem Grabeein Paar blankgcwichster Stiefel stand, ungefähr wie in den Wirts-häusern vor den Stuben der Reisenden , , , Das war ein wunder-licher Anblick, es herrschte eine sanfte Stille auf dem ganzen Kirchhof,die müden Erdcnpilgcr schliefen, Grab neben Grab, und die blank-gewichsten Stiefel, die dort in langen Reihen standen, glänzten imfrischen Morgculicht, so hoffnungsreich, so verheißungsvoll, wie einsonnenklarer Beweis der Auferstehung, — —