Heinrich Heine über Ludwig Börne.
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Provinzen, die Rheinlande, für Deutschland verloren gingen. — Waskümmert es aber die frommen Leute in München, ob man am Rheindeutsch oder französisch spricht; für sie ist es hinreichend, daß mandort lateinisch die Messe singt. Pfaffen haben kein Vaterland, siehaben nur einen Vater, einen Papa, in Rom.
Daß aber der Abfall der Rheinlande, ihr Hcimfall an dasromanische Frankreich, eine ausgemachte Sache ist zwischen den Heldender katholischen Partei und ihren französischen Verbündeten, wirdmänniglich bekannt sein. Zu diesen Verbündeten gehört seit einigerZeit auch ein gewisser ehemaliger Jakobiner, der jetzt eine Krone trägtund mit gewissen gekrönten Jesuiten in Deutschland unterhandelt...Frommer Schacher! scheinheiliger Verrat am Vaterland!
Es versteht sich von selbst, daß unser armer Börne, der sich nichtbloß von den Schriften, sondern auch von der Persönlichkeit Lamennaiesködern ließ und an den Umtrieben der römischen Frciwerbcr unbewußtteil nahm, es versteht sich von selbst, daß unser armer Börne nimmer-mehr die Gefahren ahnte, die durch die Verbindung der katholischenund republikanischen Partei unser Deutschland bedrohen. Er hattehiervon auch nicht die mindeste Ahnung, er, dem die IntegritätDeutschlands, ebensosehr wie dem Schreiber dieser Blätter, immeram Herzen lag. Ich muß ihm in dieser Beziehung das glänzendsteZeugnis erteilen. „Auch keinen deutschen Nachttopf würde ich anFrankreich abtreten," rief er einst im Eifer des Gesprächs, alsjemand bemerkte, daß Frankreich, der natürliche Repräsentant derRevolution, durch den Wiederbcsitz der Rheinlande gestärkt werdenmüsse, um dem aristokratisch-absolutistischen Europa desto sichererwiderstehen zu können.
„Keinen Nachttopf tret' ich ab," rief Börne, im Zimmer aufund ab stampfend, ganz zornig.
„Es versteht sich," bemerkt ein dritter, „wir treten den Franzosenkeinen Fußbreit Land vom deutschen Boden ab; aber wir solltenihnen einige deutsche Landslcute abtreten, deren wir allenfalls ent-behren können. Was dächten Sie, wenn wir den Franzosen z. B.den Raumer und den Rotteck abträten?"
„Nein, nein," rief Börne, aus dem höchsten Zorn in Lachenübergehend, „auch nicht einmal den Räumer, oder den Notteck treteich ab, die Kollektion wäre nicht mehr komplett, ich will Deutschlandganz behalten, wie es ist, mit seinen Blumen und seinen Disteln,init seinen Riesen und Zwergen . . . nein, auch die beiden Nacht-töpfe trete ich nicht ab!"
Ja, dieser Börne war ein großer Patriot, vielleicht der größte,der aus Germanins stiefmütterlichen Brüsten das glühendste Lebenund den bittersten Tod gesogen! In der Seele dieses Mannesjauchzte und blutete eine rührende Vaterlandsliebe, die ihrer Natur