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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
204
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M4 Novellistische Fragmente.

hat!), der Redacteur jener Revue ist der eingefleischteste Nassenmäkler,und sein drittes Wvrt ist innner germanische, rumänische und semitischeRasse ,.. Sein größter Schmerz ist, daß der Champion deS Germanen-tums, sein Liebling Wvlfgang Menzel, alle Kennzeichen der mongo-tischen Abstammung im Gesichte trägt.

Ich finde es für nötig, hier zu bemerken, daß ich den langweiligbreiten Schmähartikel, den jüngst die erwähnte Dreimouatsschriftgegen mich auskramte, keineswegs der bloßen Tentomanie, nicht ein-mal einem persönlichen Grolle, beimesse. Ich war lange der Meinung,als ob. der Verfasser, ein gewisser G. Pf., durch jenen Artikel seinenFreund Menzel rächen wollte. Aber ich muß der Wahrheit gemäßmeinen Irrtum bekennen. Ich ward seitdem verschiedenseitig einesBessern unterrichtet. „Die Freundschaft zwischen dem Menzel unddem erwähnten G. Pf.," sagte mir unlängst ein ehrlicher Schwabe,„besteht nur darin, daß letzterer dem Menzel, der kein Französischversteht, mit seiner Kenntnis dieser Sprache aushilft. Und was denAngriff gegen Sie betrifft, so ist das gar nicht so böse gemeint; derG. Pf. war früher der größte Enthusiast für Ihre Schriften, undwenn er jetzt so glühend gegen die Jmmoralität derselben eifert, sogeschieht das, um sich das Ausehen von strenger Tugend zu gebenund sich gegen den Verdacht der somatischen Liebe, der auf ihmlastete, etwas zu decken."

Ich würde den Ausdruck „sokratische Liebe" gern umschrieben

haben, aber es sind die eigenen Worte des Or. D r, der mir

diese harmlose Kvnfidenz machte. l)r. D r, der gewiß nichts

dagegen hätte, wenn ich seinen ganzen Namen mitteilte, ist ein Mannvon ausgezeichnetem Geist und von einer Wahrheitsliebe, die sich inseinem ganzen Wesen ausspricht. Da er sich in diesem Augenblickzu London befindet, konnte ich ohne vorläufige Anfrage seinen Namennicht ganz ausschreiben; er steht aber zu Dienst, sowie auch derganze Name eines der achtnngswertcsten Pariser Gelehrten, desPr. D g, in dessen Gegenwart mir dieselbe Mitteilung wieder-holt ward. Für das Publikum aber ist es nützlich zu erfahren, welcheMotive sich zuweilen unter dem bekannten „sittlich-religiös-patriotischenBettlermantel" verbergen.

Ich habe mich nur scheinbar von meinem Gegenstaude entfernt.Manche Angriffe gegen den seligen Börne finden durch obige Winkeihre teilweise Erklärung. Dasselbe ist der Fall in Beziehung aufsein Buch: „Menzel, der Franzosenfresser." Diese Schrift ist eineVerteidigung des Kosmopolitismus gegen den Nationalismus; aberin dieser Verteidigung sieht man, wie der Kosmopolitismus Börnesnur in seinen: Kopfe saß, statt daß der Patriotismus tief in seinemHerzen wurzelte, während bei seinem Gegner der Patriotismus nurim Kopfe spukte und die kühlste Indifferenz im Herzen gähnte . ..