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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
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203
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Heinrich Heine über Ludwig Börne. 2l)3

finden eine Ehre darin, daß dn sie mit demselben Stacke schlugest,womit ja schon die berühmtesten Männer geschlagen worden , , ,Freilich, das beste wäre, sie bekämen ihre Prügel ganz unfigürlich,mit keinem geistigen, sondern mit einem wirklichen materiellen Stocke,wie einst ihr Ahnherr Thersites . , ,

Ja, es war ein lehrreiches Beispiel, das du nns gabst, edlerSohn des Laertes, königlicher Dulder Odysseus! Du, der Meisterdes Wortes, der in der Kunst des Sprechens alle Sterblichen über-trafest! Jedem wußtest du Rede zu stehen, und du sprachest ebenso-gcrn wie siegreich — nur an einen klebrichten thersites wolltest du keinWort verlieren, einen solchen Wicht hieltest du keiner Gegenrede wert,und als er dich schmähte, hast du ihn schweigend geprügelt - - -

Wenn mein Vetter in Lüneburg dies liest, erinnert er sich viel-leicht unserer dortigen Spaziergänge, wo ich jedem Bcttclstmgen, deruns ansprach, immer einen Groschen gab, mit der ernsthaften Ver-mahnung: „Lieber Bursche, wenn du dich etwa später auf Litteraturlegen und Kritiken für die Brockhansischen Litteratnrblätter schreibensolltest, so reiß mich nicht herunter!" Mein Vetter lachte damals,und ich selber wußte noch nicht, daß „der Groschen, den meineMutter einer Bettlerin verweigert", auch in der Litteratur so fatalistischwirken konnte!

Ich habe oben der Brockhausischen Litteratnrblätter erwähnt.Diese sind die Höhlen, wo die unglücklichsten aller deutschen Skriblerschmachten und ächzen; die hier hinabsteigen, verlieren ihren Namenund bekommen eine . Nummer, wie die verurteilten Polen in denrussischen Bergwerken, in den Bleiminen von Nowgorod; hier müssensie, wie diese, die entsetzlichsten Arbeiten verrichten, z. B. Herrnvon Räumer als großen Geschichtschreiber loben, oder Ludwig Tieckals Gelehrten anpreisen und als Mann von Charakter u. s. w. . . .Die meisten sterben davon und werden namenlos verscharrt als toteNummer. Viele unter diesen Unglücklichen, vielleicht die meisten, sindehemalige Teutomanen, und wenn sie auch keine altdeutschen Röckemehr tragen, so tragen sie doch altdeutsche Unterhosen; — sie unter-scheiden sich von den schwäbischen Gesinnungsgenossen durch einengewissen märkischen Accent und durch ein weit windigeres Wesen.Die Volkstümelei war von jeher in Norddeuschland mehr Affektation,wo nicht gar einstudierte Lüge, namentlich in Preußen, wo sogar dieChampivnen der Nationalität ihren slavischcn Ursprung vergebenszu verleugnen suchten. Da lob' ich mir meine Schwaben, die meinenes wenigstens ehrlicher und dürfen mit größerein Rechte auf germanischeRasscnreinheit pochen. Ihr jetziges Hauptorgan, die Cottasche „Drci-monatsrevue", ist beseelt von diesem Stolz, und ihr Nedacteur, derDiplomat Kölle sein geistreicher Mann, aber der größte Schwätzerdieser Erde, und der'gewiß nie ein Staatsgeheimnis verschwiegen