202 Novellistische Fragmente.
bilitiercn ... Ich setzte Blut und Leben aufs Spiel ... Er hat'snicht gewallt.
Ärmer Menzel! ich habe wahrlich keinen Groll gegen dich! Duwarst nicht der Schlimmste. Die andern sind weit perfider, sie ver-harren länger in der liberalen Bermnmmnng, vder lassen die MaSkenicht ganz fallen . . . Ich meine hier zunächst einige schwäbischeKammersänger der Freiheit, deren liberale Triller immer leiser undleiser verklingen, und die bald wieder mit der alten Bierstimme dieWeisen van Anna 13 und 14 anstimmen werden . . . Gott erhalteeuch fürs Vaterland! Wenn ihr, um die Fetzen eurer Popularitätzu retten, den Menzel, euren vertrautesten Gesinnnngsgenvsscn, sakri-fiziert habt, so war das eine sehr verächtliche Handlung.
Und dann muß man bei Menzeln anerkennen, daß er mit be-stimmter ManncSuiiterschrift seine Schmähungen vertrat; er war keinanonymer Skriblcr und brachte immer die eigene Haut zu Markt.Nach jedem Schimpfwort, womit er uns bespritzte, hielt er fast gut-mütig still, um die verdiente Züchtigung zu empfangen. Auch hat'sihm an geschriebenen Schlägen nicht gefehlt, und sein litterarischerRücken ist schwarz gestreift, wie der eines Zebras. Armer Menzel!Er zahlte für manchen andern, dessen man nicht habhaft werdenkonnte, für die anonymen und Pseudonymen Buschklepper, die ausden dunkelsten Schlupfwinkeln der Tagespresse ihre Pfeile abschießen ...Wie willst du sie züchtigen? Sie haben keinen Namen, den dubrandmarken könntest, und gelänge es dir sogar, von einem zitterndenZeitnngsredacteur die paar leeren Buchstaben zu erpressen, die ihnenals Namen dienen, so bist du dadurch noch nicht sonderlich ge-fördert ... Du findest alsdann, daß der Verfasser des insolentestenSchmähartikcls kein anderer war^°), als jener klägliche Drohbettler,der mit all seiner untcrthänigen Zudringlichkeit auch keinen Sonsvon dir erpressen konnte . . . Oder, was noch bitterer ist, du erfährst,daß im Gegenteil ein Lumpacius, der dich um zweihundert Frankgeprellt, dem du einen Rock geschenkt hast, um seine Blöße zu be-decken, dem du aber keine schriftliche Zeile geben wolltest, womit ersich in Deutschland als deinen Freund und großen Mitdichter hernm-präsentieren konnte, daß ein solcher Lumpacius es war, der deinenguten Leumund in der Heimat begeiferte . . . Ach, dieses Gesindelist kapabel, mit vollem Namen gegen dich aufzutreten, und dann bistdu erst recht in Verlegenheit! Antwortest du, so verleihst du ihneneine lebenslängliche Wichtigkeit, die sie auszubeuten wissen, und sie
*) Im Originalmanuskript findet sich nachstehender, später von Heine ge-strichener Schluß dieses Satzes: „als ein windiger Wurm, der eine alte Jungfergeheiratet hat, und bei dieser mitleiderregenden Gelegenheit von deinen eigenenFreunden und Sipven ein Almosen erkrochen. Oder du entdeckst, daß dein anonymerAntagonist jener klägliche Drohbettler w." Der Heransgeber.