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Heinrich Heine iiber Lndwig Börne.
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nuf Lorbeerkränze und sonstige Tngendpreisc. Ich habe jüngst einBuch gelesen, worin behauptet wird, ich hätte mich gerühmt, es liefekeine Phryne über die Pariser Boulevards, deren Reize mir unbekanntgeblieben. Gott weiß, welchem ehrwürdigen Korrespondenzler solchesaubere Anekdoten nachgesprochen wurden, ich kann aber dem Ver-fasser jenes Buches die Versicherung geben, daß ich selbst in meinertollsten Jugendzeit nie ein Weib erkannt habe, wenn ich nicht dazubegeistert ward durch ihre Schönheit, die körperliche OffenbarungGottes, oder durch die große Passion, jene große Passion, die eben-falls göttlicher Art, weil sie uns von allen selbstsüchtigen Klein-gefühlcn befreit und die eitlen Güter des LebenS, ja das Lebenselbst hinopfern laßt! . . . Und die Welt ist am Ende gerecht, undsie verzeiht die Flammen, wenn nur der Brand stark und echt ist,und schön lodert und lange . . . Gegen eitel verpuffendes Strohfeuerist sie hart, und sie verspottet jede ängstliche Halbglnt . . . Die Weltachtet und ehrt jede Leidenschaft, sobald sie sich als eine wahre erprobt,und die Zeit erzengt auch in diesem Falle eine gewisse Legitimität ...
Mit Mißbehagen erfüllte mich ferner Börnes beständiges Kanne-gießern. Immer politisches Räsonniercn und wieder Nttsonnieren,und sogar beim Essen, wo er mich aufzusuchen wußte. Bei Tische,Ivo ich so gern alle Misere der Welt vergesse, verdarb er mir diebesten Gerichte durch seine patriotische Galle, die er gleichsam wieeine bittere Sauce darüber hinschwatzte. Knlbsfüße ä In, Naltrscl'Uütol, damals meine harmlose Lieblingsspeise, er verleidete sie mirdurch Hiobspostcn aus der Heimat, die er aus den unzuverlässigstenZeitungen zusammengegabelt hatte. Und dann seine verfluchten Be-merkungen, die einem den Appetit verdarben. So z. B. kroch er mirmal nach in den Restaurant der Rue Lepcllctier, Ivo damals nurpolitische Flüchtlinge aus Italien, Spanien, Portugal uud Polen zuMittag speisten. Börne, welcher sie alle kannte, bemerkte mit freudigemHändereiben: nur beiden seien von der ganzen Gesellschaft die einzigen,die nicht von ihrer respektiven Negierung zum Tode verurteilt worden.„Aber ich habe," setzte er hinzu, „noch nicht alle Hoffnung aufgegeben,es ebensoweit zu bringen. Wir werden am Ende alle gehenkt, undSie ebensogut wie ich." Ich äußerte bei dieser Gelegenheit, daß esin der That für die Sache der deutschen Revolution sehr fördersamwäre, wenn unsere Regierungen etwas rascher verführen und einigeRevolutionäre wirklich aufhingen, damit die übrigen sähen, daß dieSache gar kein Spaß und alles an alles gesetzt werden müsse . . .„Sie wollen gewiß," fiel mir Börne in die Rede, „daß wir nach demAlphabet gehenkt werden, und da wäre ich einer der ersten und kämeschon im Buchstab B., man mag mich nun als Börne oder alsBarnch hängen; und es hätte dann noch gute Weile, bis man auSie käme, tief ins H."
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