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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
185
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Heinrich Heine über Ludwig Börne. 183

Moschee von Mekka zu schauen sind? Ich möchte sie jedenfalls inVerse bringen und in Musik setzen lassen, damit sie großen Könige-lindern als Wiegenlied vorgesungen werde , , , Ihr könnt ruhigschlafen, und zur Belohnung für das furchtheileude Lied, das ich euchgesungen, ihr großen KönigSkinder, ich bitte euch, öffnet die Kerker-thnrcn der gefangenen Patrioten . , . Ihr habt nichts zu riskieren,die deutsche Revolution ist noch weit von euch entfernt, gut Ding willWeile, und die Frage der Kompetenz ist noch nicht entschieden , , ,

O Schilda, mein Vaterland!

Wie dem aber auch sei, das Fest von Hambach gehört zu denmerk würdigsten Ereignissen der deutschen Geschichte, und wenn ichBörne glauben soll, der diesem Feste beiwohnte, so gewährte dasselbeein gutes Vorzeigen für die Sache der Freiheit. Ich hatte Bornelange aus den Augen verloren, und es war bei seiner Rückkehr vonHambach, daß ich ihn wiedersah, aber auch zum letzten Mate indiesem Leben. Wir gingen miteinander in den Tnilerien spazieren,er erzählte mir viel von Hambach und war noch ganz begeistert vondein Jubel jener großen Volksfeier. Er konnte nicht genug die Ein-tracht und den Anstand rühmen, die dort herrschten. Es ist wahr,ich habe es auch aus andern Quellen erfahren, zu Hambach gab esdurchaus keine äußeren Exccssc, weder betrunkene Tobsucht, noch pöbel-hafte Roheit, und die Orgie, der Kirmestaumcl, war mehr in denGedanken als in den Handlungen. Manches tolle Wort wurde lautausgesprochen in jenen Reden, die zum Teil späterhin gedruckt er-schienen. Aber der eigentliche Wahnwitz ward bloß geflüstert. Börneerzählte mir: während er mit Siebenpfeifer redete, nahte sich dem-selben ein alter Bauer und raunte ihm einige Worte ins Ohr,worauf jener verneinend den Kopf schüttelte. „Aus Neugier," setzteBörne hinzu, „frug ich den Siebenpfeifer, was der Bauer gewollt,und jener gestand nur, daß der alte Bauer ihm mit bestimmtenWorten gesagt habe: Herr Siebenpfeifer, wenn Sie König sein wollen,wir machen Sie dazu!"

„Ich habe mich sehr amüsiert," fuhr Börne fort; „wir warendort alle wie Blntsfrenndc, drückten uns die Hände, tranken Brüder-schaft, und ich erinnere mich besonders eines alten Mannes, mitwelchem ich eine ganze Stunde geweint habe, ich weiß gar nicht mehrwarum. Wir Deutschen sind ein ganz prächtiges Volk, und gar nichtmehr so unpraktisch wie sonst. Wir hatten in Hambach auch daslieblichste Maiwettcr, wie Milch und Rosen, und ein schönes Mädchenwar dort, die mir die Hand küssen wollte, als war ich ein alterKapuziner; ich habe das nicht gelitten, und Vater und Mutter be-fahlen ihr, mich auf den Mund zu küssen, und versicherten mir, daßsie mit dein größten Vergnügen meine sämtlichen Schriften gelesen.Ich habe mich sehr amüsiert. Auch meine Uhr ist mir gestohlen