Heinrich Heine über Ludwig Börne. 175
lcnmdnng an seinem Lenmund nagt. Man kann ihn mancher un-klugen, aber keiner zweideutigen Handlung beschuldigen; er zeigtenamentlich im Unglück sehr viel Charakter, er war durchglüht Vvnreinster Bürgcrtngcnd, und um die Schellenkappe, die sein Hauptnmklingelt, müssen wir einen Kranz von Eichenlaub flechten. Deredle Narr, er war mir tausendmal lieber, als jener andere Buch-händler, der ebenfalls nach Paris gekommen, um eine deutsche Wersctzung der französischen Revolution zu besorgen, jener leise Schleicher,welcher matt und menschenfreundlich wimmerte und wie eine Hyäneaussah, die zur Abführung eingenommen . . . Übrigens rühmteman auch letzteren als einen ehrlichen Mann, der sogar seine Schuldenbezahle, wenn er das große Los in der Lotterie gewinnt, und wegensolcher Ehrlichkcitsverdienste ward er zum Finanzministcr des erneutendeutschen Reichs vorgeschlagen . . . Im Vertrauen gesagt, er mußtesich mit den Finanzen begnügen, denn die Stelle eines Ministers desInnern hatte F. schon vorweg vergeben, nämlich an Garnier, wie erauch die deutsche Kaiserkrone dem Hnuptmnnne bereits zugesagt . . .
Garnier freilich behauptete, der Buchhändler F. wolle den Haupt-mann S. zum deutschen Kaiser machen, weil dieser Lump ihm Geldschuldig sei und er sonst nicht zu seinem Gelde kommen könne . . .Das ist aber unrichtig und zeugt nur Vvn Garniers Medisancc;F. hat vielleickst aus republikanischer Arglist eben das kläglichste Sub-jekt zum Kaiser gewählt, um dadurch daS Monarchentum herab-zuwürdigen und lächerlich zu machen . . .
Der Einfluß des F. war indessen bald beendigt, als derselbe, ichglaube im November, Paris verließ, und an der Stelle des großenAgitators einige neue Oberhäupter emporstiegen; unter diesen warendie bedeutendsten der schon erwähnte Garnier und ein gewisserWolfrum. Ich darf sie wohl mit Namen nennen, da der eine totist, und dem andern, welcher sich im sicheren England befindet, durchdie Hindeutnng auf seine ehemalige Wichtigkeit ein großer Gefallenerzeigt wird; beide aber, Garnier zum Teil, Wolfruin aber ganz,schöpften ihre Inspirationen aus dem Munde Börnes, der Vvn nunan als die Seele der Pariser Propaganda zu betrachten war. DerWahnsinn blieb derselbe, aber, um mit Polvnins zu reden, es kamMethode hinein.
Ich habe mich eben des Wortes „Propaganda" bedient; aber ichgebrauche dasselbe in einem andern Sinne als gewisse Delatoren,die unter jenem Ausdruck eine geheime Verbrüderung verstehen, eineVerschwörung der revolutionären Geister in ganz Europa, eine Artblutdürstiger, atheistischer und regicidcr Maponuerie. Nein, jenePariser Propaganda bestand vielmehr aus rohen Händen als ausfeinen Köpfen i es waren Zusammenkünfte von Handwerkern deutscherZunge, die in einem großen Saale des Passage Saumvn oder in