176 Novellistische Fragmente,
Faubonrgs sich versammelten, wohl fürnchmlich, um in der liebenSprache der Heimat über vaterländische Gegenstände miteinander zukonversicren. Hier wurden nun, durch leidenschaftliche Reden imSinne der rheinbayerischcn Tribüne, viele Gemüter sanatisicrt, undda der Republikanismns eine sr> gerade Sache ist und leichter be-greifbar, als z, B, die konstitutionelle Rcgierungsform, wobei schonmancherlei Kenntnisse vorausgesetzt werden, so dauerte eS nicht langeund Taufende von deutschen Handwerksgesellen wurden Republikanerund predigten die neue Überzeugung, Diese Propaganda war weitgefährlicher als alle jene erlogenen Popanze, womit die erwähntenDelatoren unsere deutschen Regierungen schreckten, und vielleicht weitmächtiger, als Börnes geschriebene Reden, war Börnes mündlichesWort, welches er an Leute richtete, die es mit deutschem Glanbeneinsogen und mit apostolischem Eifer in der Heimat verbreiteten.Ungeheuer groß ist die Anzahl deutscher Handwerker, welche ab undzu nach Frankreich ans die Wanderschaft gehen. Wenn ich daher las,wie norddeutsche Blätter sich darüber lustig machten, daß Börne mitsechshundert Schneidergesellen ans den Montmartre gestiegen, nurihnen eine Bergpredigt zu halten, mußte ich mitleidig die Achselzucken, aber am wenigsten über Börne, der eine Saat ausstreute, diefrüh oder spät die furchtbarsten Früchte hervorbringt. Er sprach sehrgut, bündig, überzeugend, volksmäßig; nackte, kunstlose Rede, ganzim Bergpredigertvn, Ich Hube ihn freilich nur ein einzige? Malreden hören, nämlich in dem Passage Sanmon, Ivo Garnier der„Volksversammlung" Präsidierte , , , Börne sprach über den Prcß-vcrcin, welcher sich vor aristokratischer Form zu bewahren habe;Garnier donnerte gegen Nikolaus, den Zaren von Rußland; ein ver-wachsener, krummbeiniger Schnstcrgcsellc trat ans und behauptete,alle Menschen seien gleich , , . Ich ärgerte mich nicht wenig überdiese Impertinenz . , . Es war das erste und letzte Mal, daß ichder Volksversammlung beiwohnte.
Dieses eine Mal war aber auch hinreichend , . . Ich will dirgern, lieber Leser, bei dieser Gelegenheit ein Geständnis machen, dasdu eben nicht erwartest. Du meinst vielleicht, der höchste Ehrgeizmeines Lebens hätte immer darin bestanden, ein großer Dichter zuwerden, etwa gar auf dem Kapital gekrönt zu werden, wie weilandMeister Francesco Petrarcha , , , Nein, eS waren vielmehr die großenBvlksredner, die ich immer beneidete, und ich hätte für mein Lebengern ans öffentlichem Markte vor einer bunten Versammlung dasgroße Wort erhoben, welches die Leidenschaften aufwühlt oder be-sänftigt und immer eine augenblickliche Wirkung hervorbringt. In,unter vier Augen will ich es dir gern eingestehen, daß ich in jenerunerfahrenen Jugendzeit, wo uns die komödiantenhaften Gelüste an-wandeln, mich oft in eine solche Rolle hineindachte. Ich wollte durch-