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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
172
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172 Novellistische Fragmente.

seinem Salvn eine Menagerie von Menschen, wie man sie kann, imJardin des Plantcs finden möchte. Im Hintergründe kauerten einigedeutsche Eisbären, welche Tabak rauchten, fast immer schwiegen undnur dann und wann einige vaterländische Donncrworte im tiefstenBrummbaß hervorflnchten. Neben ihnen hockte auch ein polnischerWolf, welcher eine rote Mütze trug und manchmal die süßlich fadeste»Bemerkungen mit heiserer Kehle heulte. Dann fand ich dort einenfranzösischen Affen, der zu den häßlichsten gehörte, die ich jemals ge-sehen; er schnitt beständig Gesichter, damit man sich das schönstedarunter aussuchen möge. Das unbedeutendste Subjekt in jenerBörncschen Menagerie war ein Herr*, der Sohn des alten*, einesWeinhändlers in Frankfurt am Main, der ihn gewiß in sehr nüch-terner Stimmung gezeugt . . . eine lange hagere Gestalt, der wie derSchatten einer Eau de Cologuc-Flnsche aussah, aber keineswegs wieder Inhalt derselben roch. Trotz seines dünnen Aussehens, trug er, wieBörne behauptete, zwölf wollene Unterjacken; denn ohne dieselben würdeer gar nicht existieren. Börne machte sich beständig über ihn lustig:

Ich präsentiere Ihnen hier einen *, es ist freilich kein * ersterGröße, aber er ist doch mit der Sonne verwandt, er empfängt vonderselben sein Licht ... er ist ein nntcrthäniger Verwandter desHerrn von Rothschild . . . Denken Sie sich, Herr *, ich habe dieseNacht im Traum den Frankfurter Rothschild hängen sehen, und Siewaren es, welcher ihm den Strick um den Hals legte . . ."

Herr * erschrak bei diesen Worten, und wie in Todesangst riefer:Herr Berne, ich bitt' Ihnen, sagen Sie das nicht weiter . . .ich Hab' Grind . . . ich Hab' Grind ..." wiederholte mehrmalsder junge Mensch, und indem er sich gegen mich wandte, bat er michmit leiser Stimme, ihm in eine Ecke des Zimmers zu folgen, ummir seine delikatePvsiziaun" zu vertrauen.Sehen Sie," flüsterteer heimlich,ich habe eine delikate Posiziaun. Die Frau von Herrnvon Rothschild ist, so zu sagen, meine Tante. Ich bitt' Ihnen, er-zählen Sie nicht im Hause des Herrn Baron von Rothschild, daßSie mich hier bei Berne gesehen haben ... ich Hab' Grind."

Börne machte sich über diesen Unglücklichen beständig lustig, undbesonders hechelte er ihn wegen der mundfaulen und kauderwelschenArt, wie er das Französische aussprach.Mein lieber Landsmann,"sagte er,die Franzosen haben unrecht, über Sie zu lachen; sieoffenbaren dadurch ihre Unwissenheit. Verständen sie Deutsch, sowürden sie einsehen, wie richtig Ihre Redensarten konstruiert sind,nämlich vom deutschen Standpunkte aus . . . Und warum sollen SieIhre Nationalität verleugnen? Ich bewundere sogar, mit welcherGewandtheit Sie Ihre Muttersprache, das Frankfurter Mauscheln insFranzösische übertragen . . . Die Franzosen sind ein unwissendesVolk und werden es nie dahin bringen, ordentlich Deutsch zu lernen.