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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
170
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170 Novellistische Fragmente,

halte, aber nicht für dumm. .Das Wort schmutzig, wie ich ebenfallsausdrücklich bemerken will, muß hier nicht im materiellen Sinne ge-nommen werden . , , Die Frau Professorin würde sonst Zeter schreienund alle ihre Waschzettel drucken lassen, worin verzeichnet steht, wieviele reine Unterhemden und Chcmiscttchen ihr liebes Mnnnlein imLaufe des Jahres angezogen , , , und ich bin überzeugt, die Zahlist groß, da Herr Professor Räumer im Laufe des Jahres so vielläuft und folglich schwitzt und folglich viel Wäsche nötig hat, ESkommt ihm nämlich nicht der gebratene Ruhm ins Haus geflogen,er muß vielmehr beständig ans den Beinen sein, um ihn aufzusuchen,und wenn er ein Buch schreibt, so muß er erst von Pontiv nachPilato rennen, um die Gedanken znsammenzukriegen und endlich da-für zu sorgen, daß das mühsam zusammengestöppelte Opus auch vonder litterarischcn Elaquc hinlänglich unterstützt wird. Das beweglichesüßhölzerne Männchen ist ganz einzig in dieser Betriebsamkeit, undnicht mit Unrecht bemerkte einst eine geistreiche Frau :Sein Schreibenist eigentlich ein Laufen," Wo waS zu machen ist, da ist es, dasRanmerchcn ans Anhalt-Dessau, Jüngst lief es nach London: vor-her sah man es während drei Monaten überall hin und her laufen,um die dazu nötigen Empfehlungsschreiben zu betteln, und nachdemeS in der englischen Gesellschaft ein bißchen herumgeschnvppert undein Buch zusammengelaufen, erläuft es auch einen Verleger für dieenglische Übersetzung, und Sara Austin, meine liebenswürdige Freundin,muß notgedrungen ihre Feder dazu hergeben, um das saure flicß-papierne Deutsch in velinschönes Englisch zu übersetzen und ihreFreunde anzutreiben, das übersetzte Produkt in den verschiedeneil eng-lischen Revues zu recensieren , , , und diese erlaufenen englischenNecensionen läßt dann Blockhaus zu Leipzig wieder inS Deutsche über-setzen, unter dem Titel:Englische Stimmen über Frau von Nanmer!"

Ich wiederhole, daß ich mit dem Urteil Börnes über Herrnvon Räumer nicht übereinstimme; er ist ein schmutziger, aber keindummer Kerl, wie Börne meinte, der, vielleicht weil er ebenfallsBriefe ans Paris" drucken ließ, den armen Nebenbuhler so scharfkritisierte, und bei jeder Gelegenheit eine Lauge des boshaftestenSpottes über ihn ausgoß.

Ja, lacht nicht, Herr von Räumer war damals ein Nebenbuhlervon Borne, dessenBriefe ans Paris" fast gleichzeitig mit den er-wähnten Briefen erschienen, worin es, das Rnnmerchen, mit derMadame Crelinger und ihrem Gatten ans Paris korrespondierte.

Diese Briefe sind längst verschollen, und wir erinnern uns nurnoch des spaßhaften Eindrucks, den sie hervorbrachten, als sie gleich-zeitig mit den Pariser Briefen von Börne ans dem litterarischen Markteerschienen. Was letztere betrifft, so gestehe ich, die zwei ersten Bände,die mir in jener Periode zu Gesicht kamen, haben mich nicht wenig