Heinrich Heine über Lndwig Börne.
schwanger mit großen Dingen, ober das wird eine schwere Entbindunggeben. lind hier bedarf's eines männlichen Geburtshelfers, und derninß mit eisernen Instrumenten agieren. Was glauben Sie?"
Ich glaube, Deutschland ist gar nicht schwanger.
„Rein, nein, Sie irren sich. Es wird vielleicht eine Mißgeburtzur Welt kommen, aber Deutschland wird gebären. Nur müssen wiruns der geschwätzigen alten Weiber entledigen, die sich herandrängenund ihren Hcbainmendienst anbjeten. Da ist z. B. so eine Vettelvon Rottcck. Dieses alte Weib ist nicht einmal ein ehrlicher Mann.Ein armseliger Schriftsteller, der ein bißchen liberalen Demagogismns treibt und den Tagesenthusiasmus ausbeutet, um die großeMenge zu gewinnen, um seinen schlechten Büchern Absatz zu ver-schaffen, nin sich überhaupt eine Wichtigkeit zu geben. Der ist halbFuchs, halb Hund, und hüllt sich in ein WvlfSfell, um mit den Wolfenzu heulen. Da ist mir doch tausendmal lieber der dumme Kerl vonRäumer — soeben lese ich seine Briefe ans Paris — der ist ganzHund, und wenn er liberal knurrt, täuscht er niemand, und jederweiß, er ist ein nnterthäniger Pudel, der niemand beißt. Der läuftbeständig herum und schnvppert an allen Küchen und mochte gerneinmal in unsere Suppe seine Schnauze stecken, fürchtet aber dieFußtritte der hohen Gönner. Und sie geben ihm wirklich Fußtritteund halten das arme Vieh für einen Revolutionär. Lieber Himmel,es verlangt nur ein bißchen Wedelfreiheit, und wenn man ihm diesegewährt, so leckt es dankbar die goldenen Sporen der uckermärkischenRitterschaft. Nichts ist ergötzlicher, als solche unermüdliche Beweg-lichkeit neben der unermüdlichen Geduld. Dieses tritt recht hervorin jenen Briefen, Ivo der arme Lanfhnnd ans jeder Seite selbst er-zählt, wie er vor den Pariser Theatern ruhig Qncuc machte . . . Ichversichere Sie, er machte ruhig Qnene mit dem großen Troß und istso einfältig, es selbst zu erzählen. Was aber noch weit stärker, waSdie Gemeinheit seiner Seele ganz zur Anschauung bringt, ist dasGeständnis, daß er, wenn er vor Ende der Vorstellung das Theaterverließ, jedesmal seine Kontremarke verkaufte. Es ist wahr, alsFremder braucht er nicht zu wissen, daß solcher Verkauf einen ordent-lichen Menschen herabwürdigt; aber er hätte nur die Leute zu be-trachten brauchen, denen er seine Kontremarke verhandelte, um vonselbst zu merken, daß sie nur der Abschaum der Gesellschaft sind,Dicbcsgesindel und Magnetrans, kurz Leute, mit denen ein ordent-licher Mensch nicht gern spricht, viel weniger ein Handelsgeschäft treibt.Der muß von Natur sehr schmutzig sein, wer auS diesen schmutzigenHänden Geld nimmt!"
Damit man nicht wähne, als stimme ich in dem Urteil überden Herrn Professor Friedrich von Raumer ganz mit Börne überein,so bemerke ich zu seinem Vorteil, daß ich ihn zwar für schmutzig