Heinrich Heine über Ludwig Börne, 163
stecken bleibt, wen» die Nachricht bei ihnen anlangt , . , Pnltschinellist kapabcl, znin Schwert zu greifen, und Paddy wird vielleicht einenBull machen, worüber den Engländern das Lachen vergeht.
Und Deutschland? Ich weiß nicht. Werden wir endlich vonunseren Eichenwäldern den rechten Gebrauch machen, nämlich zuBarrikaden für die Befreiung der Welt? Werden wir, denen dieNatur so viel Ticfsinn, so viel Kraft, so viel Mut erteilt hat, endlichunsere Gvttesgabcn benutzen und das Wort des großen Meisters, dieLehre von den Rechten der Menschheit, begreifen, proklamieren undin Erfüllung bringen?
Es sind jetzt sechs Jahre, daß ich, zu Fuß das Vaterland durch-wandernd, ans der Wartburg ankam und die Zelle besuchte, woDoktor Luther gehaust. Ein braver Mann, ans den ich keinen Tadelkommen lasse; er vollbrachte ein Niesenwerk, und wir wollen ihmimmer dankbar die Hand küssen, für das, was er that. Wir wollennicht mit ihm schmollen, daß er unsere Freunde allzu unhöflich an-ließ, als sie in der Exegese de? göttlichen Wortes etwas weiter gehenwollten alS er selber, als sie auch die irdische Gleichheit der Menschenin Borschlag brachten , , , Ein solcher Vorschlag war freilich damalsnoch unzeitgemäß, und Meister Hemmling, der dir dein Haupt ab-schlug, armer Thomas Münzer, er war in gewisser Hinsicht wohl be-rechtigt zu solchem Verfahren; denn er hatte das Schwert in Händenund sein Arm war stark!
Auf der Wartburg besuchte ich auch die Rüstkammer, wo diealten Harnische hängen, die alten Pickelhauben, Tartschen, Hellebarden,Flambcrgc, die eiserne Garderobe des Mittelalters, Ich wandeltenachsinnend im Saale herum mit einem liniversitätsfreunde, einemjungen Herrn vom Adel, dessen Vater damals einer der mächtigstenViertelsürsten in unserer Heimat war und das ganze zitternde Länd-chcn beherrschte. Auch seine Vorfahren sind mächtige Barone gewesen,und der junge Mann schwelgte in heraldischen Erinnerungen bei An-blick der Rüstungen und der Waffen, die, wie ein angehefteter Zettelmeldete, irgend einem Ritter seiner Sippschaft angehört hatten. Alser das lange Schwert des Ahnherrn von dem Haken herablangte undans Neugier versuchte, ob er es wohl handhaben könnte, gestand er,daß es ihm doch etwas zu schwer sei, und er ließ entmutigt den Armsinken. Als ich dieses sah, als ich sah, wie der Arm des Enkels zuschwach für das Schwert seiner Väter, da dachte ich heimlich in meinemSinn: Deutschland könnte frei sein.
Nenn Jnhrc später.
Überall herrschte eine dumpfe Ruhe, Die Sonne warf elegischeStrahlen ans den breiten Rücken der deutschen Geduld, Kein Wind-
11---