162 Novellistische Fragmente.
daß sich mir alles kullernd im Leibe herumdrehte , , , bis ich es endlichnicht länger ertragen konnte und den Propheten Jonas ausspuckte.
Als ich solcherweise plötzlich erleichtert ward, vernahm ich nebenmir die Stimme des preußischen Justizrates, der zu mir sprach:„Wohl bekvmm's! Gut, daß Sie endlich die tolle Lektüre wieder lossind, die Sie auf Helgoland mit dem großen Hummer verschlangen . . .Wir sind jetzt gleich'im Hafen, und eine Tasse Thee wird uns baldwieder herstellen." Ich befolgte seinen Rat und genas endlich ganzund gar5), als ich landete und im Gasthofe zu Cuxhafen eine guteTasse Thee bekam.
Hier wimmelt's von Hamburgern und ihren Gemahlinnen, diedas Se ebad gebrauchen. Auch Schiffskapitüne aus allen Ländern, dieauf guten Fahrwind warten, spazieren hier hin und her ans denhohen Dämmen, oder sie liegen in den Kneipen und trinken sehrstarken Grog und jubeln über die drei Julitage. In allen Sprachenbringt man den Franzosen ihr wohlverdientes Vivat, und der sonstso wortkarge Brite preist sie ebenso redlich, wie jener geschwätzigePortugiese, der es bedauerte, daß er seine Ladung Orangen nichtdirekt nach Paris bringen könne, um das Volk zu erfrischen nach derHitze des Kampfes. Sogar in Hamburg, wie man mir erzählt, injenem Hamburg, wo der Franzvsenhaß am tiefsten wurzelte, herrschtjetzt nichts als Enthusiasmus für Frankreich . . . Alles ist vergessen,Davoust, die beraubte Bank, die füsilierten Bürger, die altdeutschenRöcke, die schlechten Befreiungsverse, Vater Blücher, „Heil dir imSiegcrkranz", alleS ist vergessen ... In Hamburg flattert die Triko-lore, überall erklingt dort die Marseillaise, sogar die Damen erscheinenim Theater mit dreifarbigen Bandschleifen auf der Brust und sielächeln mit ihren blauen Augen, roten Mündlein und weißen Naschen...Sogar die reichen Bankiers, welche infolge der revolutionären Be-wegung an ihren StaatSpapieren sehr viel Geld verlieren, teilen groß-mütig die allgemeine Freude, und jedesmal, wenn ihnen der Maklermeldet, daß die Kurse noch tiefer gefallen, schauen sie desto vergnügterund antworten: „Es ist schon gut, es thut nichts, es thut nichts! —
Ja überall, in allen Landen, werden die Menschen die Be-deutung dieser drei Julitage sehr leicht begreifen und darin einenTriumph der eigenen Interessen erkennen und feiern. Die großeThat der Franzosen spricht so deutlich zu allen Völkern und allenIntelligenzen, den höchsten und den niedrigsten, und in den Steppender Baschkiren werden die Gemüter ebenso tief erschüttert werden,wie auf den Höhen Andalusiens . . . Ich sehe schon, loie dein Nea-politaner die Maccaroni und dem Jrländer seine Kartoffel im Munde
*) „Solcherweise ward ich erleichtert und genas endlich ganz und gar," lautetder Anfang dieses Absatzes in der früheren deutschen Ausgabe.
Der Herausgeber.