158 Novellistische Fragmente.
Ich fürchte fast, es sei nicht wahr, denn eS ist gedruckt. Ich willselbst nach Paris gehen, um mich mit leiblichen Augen davvn zuüberzeugen ... Es muß Prachtig aussehen, wenn er dort durch dieStraßen reitet, der Bürger beider Welten, der göttergleiche Greis,die silbernen Locken hcrabwallend über die heilige Schulter ... Ergrüßt mit den alten lieben Augen die Enkel jener Väter, die einstmit ihm kämpften für Freiheit und Gleichheit . . . Es sind jetztsechzig Jahr, daß er aus Amerika zurückgekehrt mit der Erklärungder Menschhcitsrechte, den zehn Geboten des neuen Weltglanbens, dieihm dort offenbart wurden unter Kanonendonner und Blitz . . .Dabei weht wieder ans den Türmen von Paris die dreifarbigeFahne, und es klingt die Marseillaise!
Lafayette, die dreifarbige Fahne, die Marseillaise . . . Ich binwie berauscht. Kühne Hoffnungen steigen leidenschaftlich empor, wieBäume mit goldenen Früchten und wilden, wachsenden Zweigen, dieihr Laubwerk weit ausstrecken bis in die Wolken . . . Die Wolkenaber im raschen Fluge entwurzeln diese Riesenbänme und jagen da-mit von dannen. Der Himmel hängt voller Violinen, und auch ichrieche es jetzt, die See duftet nach frischgebackenem Kuchen. Das istein beständiges Geigen da droben in himmelblauer Freudigkeit, unddas klingt ans den smaragdenen Wellen wie heiteres Mttdchcngckicher.Unter der Erde aber kracht es und klopft es, der Boden öffnet sich,die alten Götter strecken daraus ihre Köpfe hervor, und mit hastigerVerwunderung fragen sie: „Was bedeutet der Jubel, der bis insMark der Erde drang? Was giebt's Neues? Dürfen wir wiederhinauf?" Nein, ihr bleibt unten im Nebelheim, wo bald ein neuerTvdeSgcnosse zu euch hinabsteigt . . . „Wie heißt er?" Ihr kennt ihngut, ihn, der euch einst hinabsticß in das Reich der ewigen Nacht . . .
Pan ist tot!
Helgoland, den 10. August.
Lafayette, die dreifarbige Fahne, die Marseillaise . . .
Fort ist meine Sehnsucht nach Ruhe. Ich weiß jetzt wieder, wasich soll, was ich muß . . . Ich bin der Sohn der Revolution undgreife wieder zu den gefeiten Waffen, worüber meine Mutter ihrenZanbersegen ausgesprochen . . . Blumen! Blumen! Ich will meinHaupt bekränzen zum Todeskampf. Und auch die Leier, reicht mirdie Leier, damit ich ein Schlachtlied singe . . . Worte gleich flammenden Sternen, die anS der Höhe herabschießen und die Paläste verbrennen und die Hütten erleuchten . . . Worte gleich blanken Wurf-speeren, die bis in den siebenten Himmel hinanfschwirren und diefrommen Heuchler treffen, die sich dort eingeschlichen ins Allerheiligste ...Ich bin ganz Freude und Gesang, ganz Schwert und Flamme!
Bielleicht auch ganz toll ... Von jenen wilden, in Druckpapier