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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
157
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Heinrich Heine über Ludwig Börne,

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wir in unseren Erziehungsanstalten einen Holländer füttern, dessensympathielose, gehäbige Fischnatnr den Kindern einen Abscheu vor derNüchternheit einflößen möge. Wahrlich, diese holländische'Nüchternyeit ist ein weit fataleres Laster, als die Besoffenheit eines Heloten,Ich möchte Mhnheer prügeln , , ,

Aber nein, keine Epcesse! Die Pariser haben unS ein so brillan-tes Beispiel von Schonung gegeben. Wahrlich, ihr verdient eS, freizu sein, ihr Franzosen, denn ihr tragt die Freiheit im Herzen, Da-durch unterscheidet ihr euch von euren armen Bätern, welche sich ansjahrtansendlichcr Knechtschaft erhoben, und bei allen ihren Hclden-thaten auch jene wahnsinnige Greuel ausübten, worüber der GeninSder Menschheit sein Anilin verhüllte. Die Hände deS Volkes sinddiesmal nur blutig geworden im Schlachtgcwühle gerechter Gegen-wehr, nicht nach dein Kampf, Das Volk verband selbst die Wunderseiner Feinde, und als die That abgethan war, ging es wieder ruhigan seine TageSbeschäftignng, ohne für die große Arbeit auch nur einTrinkgeld verlangt zu haben!

„Bor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,

Vor dem freien Menschen erzittert nicht!"

Du siehst, wie berauscht ich bin, wie außer mir, wie allgemein . ..ich eitiere Schillers banalsten Vers,*)

lind den alten Knaben, dessen unverbesserliche Thorheit so vielBürgerblnt gekostet, haben die Pariser mit rührender Schonung be-handelt, Er saß wirklich beim Schachspiel, wie der König der Hernlcr,als die Sieger in sein Zelt stürzten. Mit zitternder Hand unter-zeichnete er die Abdankung, Er hat die Wahrheit nicht hören wollen.Er behielt ein offenes Thr nur für die Lüge der Höflinge, Dieseriefen immer: „Wir siegen! wir siegen!" Unbegreiflich war diese Zu-versicht des königlichen Thoren , , , Verwundert blickte er auf, als das„Journal des Debats", wie einst der Wächter während der Longobardcn-schlacht, plötzlich ausrief: .Nnlllsnrsnx roi! rnnUnznrsuss tA-anos!"

Mit ihm, mit Karl X,, hat endlich das Reich Karls des Großenein Ende, wie daS Reich des RomnlnS sich endigte mit RonmlnSAngnstulus, Wie einst ein neues Rom, so beginnt seht ein neuesFrankreich,

Es ist mir alles noch wie ein Traum; besonders der NameLafayettc klingt mir wie eine Sage ans der frühesten Kindheit, Sitzter wirklich jetzt wieder zu Pferde, kommandierend die Nativnalgarde?

*) „ich citiere Schillers Glocke" hieß es in der früheren deutschen Ausgabe.Auch waren die Verse unrichtig mitgeteilt:

„Den Sklaven, wenn er die Kette bricht,

Den freien Mann, den fürchte nicht!"

Heine hat beides in der französischen Ausgabe berichtigt. Der Herausgeber.