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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
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128
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128 Novellistische Fragmente.

sehen gab. Er empfing mich mit Herzlichkeit und Liebe; es ver-gingen keine drei Minuten, und wir gerieten ins vertraulichste Ge-spräch. Wovon mir zuerst redeten? Wenn Köchinnen zusammen-kommen, sprechen sie von ihrer Herrschaft, und wenn deutscheSchriftsteller zusammenkommen, sprechen sie von ihren Verlegern.Unsere Konversation begann daher mit Cotta und Campe, und alsich, nach einigen gebräuchlichen Klagen, die guten Eigenschaften desletzteren eingestand, vertraute mir Börne, daß er mit einer Herans-gabe seiner sämtlichen Schriften schwanger gehe, und für dieses Unter-nehmen sich den Campe merken wolle. Ich konnte nämlich vonJulius Campe versichern, daß er kein gewöhnlicher Buchhändler sei,der mit dem Edlen, Schönen, Großen nur Geschäfte machen und einegute Konjunktur benutzen null, sondern daß er manchmal das Große,Schöne, Edle unter sehr ungünstigen Konjunkturen druckt und wirk-lich sehr schlechte Geschäfte "damit macht. Ans solche Worte horchteBörne mit beiden Ohren, und sie haben ihn späterhin veranlaßt,nach Hamburg zu reisen und sich mit dem Verleger derReisebilder"über eine Herausgabe seiner sämtlichen Schriften zu verständigen.

Sobald die Verleger abgethan sind, beginnen die wechselseitigenKomplimente zwischen zwei Schriftstellern, die sich zum ersten Malesprechen. Ich übergehe, was Börne über meine Vorzüglichkeit äußerte,und erwähne nur den leisen Tadel, den er bisweilen in den schäumen-den Kelch des Lobes eintröpfeln ließ. Er hatte nämlich kurz vorherden zweiten Teil derRcisebilder" gelesen, und vermeinte, daß ichvon Gott, welcher doch Himmel und Erde erschaffen und doch soweise die Welt regiere, mit zu wenig Reverenz, hingegen von demNapoleon, welcher doch nur ein sterblicher Despot gewesen, mit über-triebener Ehrfurcht gesprochen habe. Der Deist "und Liberale tratmir also schon merkbar entgegen. Er schien den Napoleon wenig zulieben, obgleich er doch unbewußt den größten Respekt vor ihm inder Seele trug. Es verdroß ihn, daß die Fürsten sein Standbildvon der Vendomcsänle so ungroßmütig hcrabgerisscn.

Ach!" rief er mit einem bitteren Seufzer, ihr konntet dort seineStatue getrost stehen lassen; ihr brauchtet nur ein Plakat mit derInschrift: ,Achtzehnter Brumaire' daran zu befestigen, und dieBendvmesänle wäre seine verdiente Schandsäule geworden! Wieliebte ich diesen Mann bis zum achtzehnten Brumaire; noch biszum Frieden von Campo Formiv bin ich ihm zugethan; als er aberdie Stufen des Thrones erstieg, sank er immer tiefer im Werte; mankonnte von ihm sagen: er ist die rote Treppe hinaufgefallen!"

Ich habe noch diesen Morgen," setzte Börne hinzu,ihn be-wundert, als ich in diesem Buche, das hier auf meinem Tischeliegt er zeigte auf Thiers RcvolutionSgeschichte die vortreff-liche Anekdote las, wie Napoleon zu lldine eine Enirevue mit