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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
122
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122 Novellistische Fragmente.

Desto besser," sprach Maximilian mit einem feinen Lächeln,ichbrauche also nicht zu fürchten, daß ich Sie langweile, wenn ich dieMöbel des Zimmers, worin ich mich befand, wie heutige Novellistenpflegen, etwas ausführlich beschreibe."

,Vergessen Sie nur nicht das Bett, teurer Freund b

Es war in der That," erwiderte Maximilian, ein sehr pracht-volles Bett. Die Füße, wie bei allen Betten des Empires, be-standen ans Karyatiden und Sphinxen, es strahlte von reichen Ver-goldungen, namentlich von goldenen Adlern, die sich wie Turtel-tauben schnäbelten, vielleicht ein Sinnbild der Liebe unter dem Empire.Die Vorhänge des Bettes waren von roter Seide, und da die Flammendes KaminS sehr stark hindurchschienen, so befand ich mich mit Laurenecin einer ganz feuerroten Beleuchtung, und ich kam mir vor wie derGott Pluto, der, von Hollengluten umlodert, die schlafende Proscrpinein seinen Armen hält. Sie schlief, und ich betrachtete in diesemZustand ihr holdes Gesicht nnd suchte in ihren Zügen ein Verständnisjener Sympathie, die meine Seele für sie empfand. Was bedeutetdieses Weib? Welcher Sinn lauert unter der Symbolik dieser schönenFormen? Ich hielt dies anmutige Rätsel jetzt als mein Eigentumin meinen Armen, und doch fand ich nicht seine Lösung.

Aber ist es nicht Thorheit, den inneren Sinn einer fremdenErscheinung ergründen zu wollen, während ivir nicht einmal dasRätsel unserer eigenen Seele zu lösen vermögen! Wissen wir dochnicht einmal genau, ob die fremden Erscheinungen wirklich existircn!Können wir "doch manchmal die Realität nicht von bloßen Traum-gesichten unterscheiden! War es ein Gebilde meiner Phantasie, oderwar es entsetzliche Wirklichkeit, was ich in jener Nacht hörte nndsah? Ich weiß es nicht. Ich erinnere mich nur, daß, während diewildesten Gedanken durch mein Herz fluteten, ein seltsames Geräuschmir ans Ohr drang. Es war eine verrückte Melodie, sonderbarleise. Sie kam mir ganz bekannt vor, und endlich unterschied ichdie Töne eines Triangels und einer Trommel. Diese Musik,schwirrend nnd summend, schien aus weiter Ferne zu erklingen, nnddennoch, als ich aufblickte, sah ich nahe vor nur mitten im Zimmerein wohlbekanntes Schauspiel: es war Monsieur Türlütü, der Zwerg,welcher den Triangel spielte, nnd Madame Mutter, welche die großeTrommel schlug, während der gelehrte Hund am Boden hernmscharrte,als suche er wieder seine hölzernen Buchstaben zusammen. Der Hundschien nur mühsam sich zu bewegen, und sein Fell war von Blutbefleckt. Madame Mutter trug noch immer ihre schwarze Traucr-kleidnng, aber ihr Bauch war nicht mehr so spaßhaft hervortretend,sondern vielmehr widerwärtig herabhängend; auch ihr Gesicht warnicht mehr rot, sondern blaß. Der Zwerg, welcher noch immer diebrodiertc Kleidung eines altfranzösischen Marquis und ei» gepudertes