Florentinifche Nächte. 115
ihrem Sitze sich erhebend, hing sie sich jenein an den Arm, nnd ahneanch nur einen Blick auf mich zurückzuwerfen, verließ sie mit ihmdie Gesellschaft.
„Als ich die Dame des Hauses, die den ganzen Abend am Ein-gange des Hanptsaales stand und den Ankommenden nnd Fort-gehenden ihr Lächeln präsentierte, um den Namen der jungen Personbefragte, die soeben mit dem alten Alaune fortgegangen, lachte siemir heiter ins Gesicht nnd rief: Mein Gott! wer kann alle Menschenkennen! ich kenne ihn ebensowenig . . .' Sie stockte, denn sie wolltegewiß sagen, ebensowenig wie mich selber, den sie ebenfalls an jenemAbende zum ersten Male gesehen. Vielleicht, bemerkte ich ihr, kannmir Ihr Herr Gemahl einige Auskunft geben; wo finde ich ihn?
,Auf der Jagd bei Saint Germain/ antwortete die Dame mitnoc h stärkerem Lachen, ,er ist heute in der Frühe abgereist und kehrterst morgen abend zurück. . . Aber warten Sie, ich kenne jemanden,der mit der Dame, wonach Sie sich erkundigen, viel gesprochen hat,ich weiß nicht seinen Namen, aber Sie können ihn leicht erfragen,wenn Sie sich nach dem jungen Menschen erkundigen, dein HerrCasimir Pcrricr einen Fußtritt gegeben hat, ich weiß nicht wo.'
„So schwer es auch ist, einen Menschen daran zu erkennen, daßer vom Minister einen Fußtritt erhalten, so hatte ich doch meinenMann bald ausfindig gemacht, und ich verlangte von ihm nähereAufklärung über das sonderbare Geschöpf, das mich so sehr inter-essierte und das ich ihm deutlich genug zu bezeichnen wußte. ,Ja,'sagte der junge Mensch, sich kenne sie ganz genau, ich habe aufmehreren Soireen mit ihr gesprochen' — und er wiederholte mireine Menge nichtssagender Dinge, womit er sie unterhalten. WnSihm besonders aufgefallen, war ihr ernsthafter Blick, jedesmal wenner ihr eine Artigkeit sagte. Auch wunderte er sich nicht wenig, daßsie seine Einladung zu einer Contredanse immer abgelehnt, und zwarmit der Versicherung, sie verstünde nicht zu tanzen. Namen undVerhältnisse kannte er nicht, lind niemand, soviel ich mich aucherkundigte, wußte mir hierüber etwas Näheres mitzuteilen. Ver-gebens rannte ich durch alle möglichen Soireen, nirgends konnte ichMademvisclle Laurence wiederfinden."
,11 nd das ist die ganze Geschichte?' rief Maria, indem sie sichlangsam umdrehte nnd schläfrig gähnte — ,Das ist die ganze merk-würdige .Geschichte? lind Sie haben weder Mademoiselle Laurence,noch die Mutter mit der Trommel, noch den Zwerg Türlütü, undauch nicht den gelehrten Hund jemals wiedergesehen?'
„Bleiben Sie ruhig liegen," versetzte Maximilian. „Ich habe siealle wiedergesehen, sogar den gelehrten Hund. Er befand sich freilichin einer sehr schlimmen Not, der arme Schelm, als ich ihm zu Parisbegegnete. Es war im Quartier Latin. Ich kam eben der Sorbonne