104 Novellistische Fragmente.
„Zweitens ein Zwerg, der wie ein altfrnuzösischer Marquis einbrodicrtes Kleid trug, eiuen großen gepuderten Kopf, aber übrigenssehr dünne winzige Gliedmaßen hatte, und hin und her tänzelnd,den Triangel schlug.
„Drittens ein etwa fünfzehnjähriges junges Mädchen, welches einekurze, enganliegende Jacke von blaugestreifter Seide und weite, eben-falls blangestreifte Pantalous trug. Es war eine luftig gebaute, an-mutige Gestalt. Das Gesicht griechisch schön. Edel gerade Nase, lieb-lich geschürzte Lippen, träumerisch weich gerundetes Kinn, die Farbesonnig gelb, die Haare glänzend schwarz um die Schläfen gewunden:so stand sie, schlank und ernsthaft, ja mißlaunig, und schaute aufdie vierte Person der Gesellschaft, welche eben ihre Kunststücke pro-duzierte.
„Diese vierte Person war ein gelehrter Hund, ein sehr hoffnungs-voller Pudel, und er hatte eben zur höchsten Freude des englischenPublikums auS den Holzbuchstabcn, die man ihm vorgelegt, denNamen des Lord Wellington zusammengesetzt und ein sehr schmeichel-haftes Beiwort, nämlich Heros, hinzugefügt. Da der Hund, wasman schon seinem geistreichen Äußeren anmerken konnte, kein eng-lisches Vieh war, sondern nebst den andern drei Personen ausFrankreich hinübergekommeu, so freuten sich Albions Sohne, daßihr großer Feldherr wenigstens bei französischen Hunden jene An-erkennung erlangt habe, die ihm von den übrigen Kreaturen Frank-reichs so schmählich versagt wird.
„In der That, diese Gesellschaft bestand aus Franzosen, undder Zwerg, welcher sich hiernächst als Monsieur Türlütü ankündigte,fing an in französischer Sprache und mit so leidenschaftlichen Gestenzu bramarbasieren, daß die armen Engländer noch weiter als ge-wöhnlich ihre Mäuler und Nasen aufsperrten. Manchmal nach einerlaugen Phrase krähte er wie ein Hahn, und diese Kikerikis, sowieauch die Namen von vielen Kaisern, Königen und Fürsten, die erseiner Rede einmischte, waren wohl das einzige, was die armen Zu-schauer verstanden. Jene Kaiser, Könige und Fürsten rühmte ernämlich als seine Gönner und Freunde. Schon als Knabe von achtJahren, wie er versicherte, hatte er eine lange Unterredung mit derhöchstseligen Majestät Ludwig XVI., welcher auch späterhin bei wich-tigen Gelegenheiten ihn immer um Rat fragte. Den Stürmen derRevolution war er, wie so viele andere, durch die Flucht entgangen,und erst unter dem Kaisertum war er inS geliebte Vaterland zurück-gekehrt, um teilzunehmen an dem Ruhme der großen Nation. Napo-leon, sagt er, habe ihn nie geliebt, dagegen von Seiner Heiligkeitdem Papst Pius VII. sei er fast vergöttert worden. Der KaiserAlexander gab ihm Bonbons, und die Prinzessin Wilhelm von Kyritznahm ihn auf den Schoß. Seine Durchlaucht der Herzog Karl von