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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
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100
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100 Novellistische Fragmente.

„Wohin?" frug Maximilian, als der Doktor seinen Arm ergriffund ihn ans dem Zimmer fortführte.

Zweite Nacht.

„Und warum wollen Sie mich noch mit dieser häßlichen Medizinquälen, da ich fa doch so bald sterbe!"

Es war Maria, welche eben, als Maximilian ins Zimmer trat,diese Worte gesprochen. Vor ihr stand der Arzt, in der einen Handeine Medizinflasche, in der andern einen kleinen Becher, worin einbräunlicher Saft widerwärtig schäumte. „Teuerster Freund," riefer, indem er sich zu dem Eintretenden wandte, „Ihre Anwesenheitist mir jetzt sehr lieb. Suchen Sie doch Signora dahin zu bewegen,daß sie nur diese wenigen Tropfen einschlürft; ich habe Eile."

„Ich bitte Sie, Maria!" flüsterte Maximilian mit jener weichenStimme, die man nicht sehr oft an ihm bemerkt hat, und die anseinem so wunden Herzen zu kommen schien, daß die Kranke, sonder-bar gerührt, fast ihres eigenen Leides vergessend, den Becher in dieHand nahm; ehe sie ihn aber zum Munde führte, sprach sie lächelnd:„Nicht wahr, zur Belohnung erzählen Sie mir dann auch die Ge-schichte von der Lanrentia?"

„Alles, was Sie wünschen, soll geschehen!" nickte Maximilian.

Die blasse Frau trank alsbald den Inhalt des Bechers, halblächelnd, halb schaudernd.

„Ich habe Eile," sprach der Arzt, indem er seine schwarzenHandschuhe anzog. „Legen Sie sich ruhig nieder, Signora, und be-wegen Sie sich so wenig als möglich. Ich habe Eile."

Begleitet von der schwarzen'Deborah, die ihm leuchtete, verließer das Gemach. — Als nun die beiden Freunde allein waren, sahensie sich lange schweigend an. In beider Seele wurden Gedankenlaut, die eins dem andern zu verhehlen suchte. Das Weib aberergriff plötzlich die Hand des Mannes und bedeckte sie mit glühendenKüssen.

„Ilm Gottes willen," sprach Maximilian, „bewegen Sie sich nichtso gewaltsam und legen Sie sich wieder ruhig aufs Sofa."

Als Maria diesen Wunsch erfüllte, bedeckte er ihre Füße sehrsorgsam mit dem Shawl, den er vorher mit seinen Lippen berührthatte. Sie mochte es wohl bemerkt haben, denn sie zwickte vergnügtmit den Augen wie ein glückliches Kind.

„War Mademoiselle Lanrence sehr schön?"

„Wenn Sie mich nie unterbrechen wollen, teure Freundin, undmir angeloben, ganz schweigsam und ruhig zuzuhören, so will ichalles, was Sie zu wissen begehren, umständlich berichten."

Dem bejahenden Blicke Marias mit Freundlichkeit zulächelnd,