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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
85
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Florentinische Nächte. 85

Ich bitte Sie," rief Maria,schmähen Sie nicht die Weiber!Das sind abgedroschene Redensarten der Männer. Am Ende, umglücklich zu sein, bedürft ihr dennoch der Weiber."

O," seufzte Maximilian,das ist freilich wahr. Aber die Weiberhaben leider nur eine einzige Art, wie sie uns glücklich machen können,während sie uns auf dreißigtausend Arten unglücklich zu machen missen."

Teurer Freund," erwiderte Maria, indem sie ein leises Lächelnverbiß,ich spreche von dem Einklänge zweier gleichgestimmten Seelen.Haben Sie dieses Glück nie empfunden? . . . Aber ich sehe eine un-gewohnte Röte über Ihre Wangen ziehen ... Sprechen Sie ... Max?"

Es ist wahr, Maria, ich fühle mich fast knabenhaft befangen,da ich Ihnen die glückliche Liebe gestehen soll, die mich einst unendlichbeseligt hat! Diese Erinnerung ist mir noch nicht verloren, und inihren kühlen Schatten flüchtet sich noch oft meine Seele, wenn derbrennende Staub und die Tageshitze des Lebens unerträglich wird.Ich bin aber nicht imstande, Ihnen von dieser Geliebten einen rich-tigen Begriff zu geben. Sie war so ätherischer Natur, daß sie sichmir nur im Traume offenbaren konnte. Ich denke, Maria, Siehegen kein banales Vorurteil gegen Träume; diese nächtlichen Er-scheinungen haben wahrlich ebensoviel Realität wie jene roheren Ge-bilde des Tages, die wir mit Händen antasten können, und woranwir uns nicht selten beschmutzen. Ja, es war im Traume, wo ichsie sah, jenes holde Wesen, das mich am meisten auf dieser Welt be-glückt hat. Über ihre Äußerlichkeit weiß ich wenig zu sagen. Ichbin nicht imstande, die Form ihrer Gesichtszüge ganz genau anzugeben.Es war ein Gesicht, das ich nie vorher gesehen, und daS ich nachhernie wieder im Leben erblickte. So viel erinnere ich mich, es war nichtweiß nnd rosig, sondern ganz einfarbig, ein sanft angerötctes Blaß-gelb und durchsichtig wie Krhstall. Die Reize dieses Gesichtes be-standen weder im strengen Schönheitsmaß, noch in der interessantenBeweglichkeit; sein Charakter bestand vielmehr in einer bezaubernden,entzückenden, fast erschreckenden Wahrhaftigkeit. Es war ein Gesichtvoll bewußter Liebe und graziöser Güte; es war mehr eine Seele alsein Gesicht, und deshalb habe ich die äußere Form mir nie ganz ver-gegenwärtigen können. Die Augen waren sanft wie Blumen, dieLippen etwas bleich, aber anmutig gewölbt. Sie trug ein seidenesPeignoir von kvrnblauer Farbe, aber hierin bestand auch ihre ganzeBekleidung; Hals und Füße waren nackt, nnd durch das weiche, dünneGewand lauschte manchmal wie verstohlen die schlanke Zartheit derGlieder. Die Worte, die wir miteinander gesprochen, kann ich mirebenfalls nicht mehr verdeutlichen; so viel weiß ich, daß wir uns ver-lobten, und daß wir heiter und glücklich, offenherzig und traulich, wieBräutigam nnd Braut, ja fast wie Bruder und Schwester, miteinanderkosten. Manchmal aber sprachen wir gar nicht mehr und sahen nnS