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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
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einander an, Ang' in Auge, und i» diesem beseligten Anschauen ver-harrten nur ganze Ewigkeiten , , , Wodurch ich erwacht bin, kann ichebenfalls nicht sagen, aber ich schwelgte noch lange Zeit in dem Nach-gcfühle dieses Licbesglücks, Ich war lange wie getränkt von un-erhörten Wonnen, die schmachtende Tiefe meines Herzens war wiegefüllt mit Seligkeit, eine mir unbekannte Freude schien über allemeine Empfindungen ausgegossen, und ich blieb froh und heiter, ob-gleich ich die Geliebte in meinen Träumen niemals wiedersah. Aberhatte ich nicht in ihrem Anblick ganze Ewigkeiten genossen? Auchkannte sie mich zu gut, um nicht zu wissen, daß ich keine Wieder-holungen liebe,"

Wahrhaftig," rief Maria,Sie sind ein bomms a, Uonns kor-tuns . . , Aber sagen Sie mir, war Madcmoiselle Lanrcnce eineMarmorstatue oder ein Gemälde? eine Tote oder ein Traum?"

Bielleicht alles dieses zusammen," antwortete Maximilian sehrernsthaft.

Ich konnte mir's vorstellen, teurer Freund, daß diese Geliebtevon sehr zweifelhaftem Fleische sein mußte. Und wann werden Sicmir diese Geschichte erzählen?"

Morgen, Sie ist lang, und ich bin heute müde. Ich kommeaus der Oper und habe zu viel Musik in den Ohren,"

Sie gehen seht oft in die Oper, und ich glaube, Max, Siegehen dorthin mehr um zu sehen, als um zu hören,"

Sie irren sich nicht, Maria, ich gehe wirklich in die Oper, umdie Gesichter der schönen Italienerinnen zu betrachten. Freilich, siesind schon außerhalb dem Theater schön genug, und ein Geschichts-forscher könnte an der Idealität ihrer Züge sehr leicht den Einflußder bildenden Künste ans die Leiblichkcit des italienischen Volkes nach-weisen, Die Natur hat hier den Künstlern das Kapital zurück-genommen, das sie ihnen einst geliehen, und siehe! es hat sich aufsentzückendste verzinst. Die Natur, welche einst den Künstlern ihreModelle lieferte, sie kopiert heute ihrerseits die Meisterwerke, die da-durch entstanden. Der Sinn für das Schöne hat das ganze Volkdurchdrungen, und wie einst das Fleisch ans den Geist, so wirkt setztder Geist auf das Fleisch, Und nicht fruchtlos ist die Andacht vorjenen schönen Madonnen, den lieblichen Altarbildern, die sich demGcmüte des Bräutigams einprägen, während die Braut einen schönenHeiligen im brünstigen Sinne trägt. Durch solche Wahlverwandtschaftist hier ein Menschengeschlecht entstanden, das noch schöner ist als derholde Boden, woraus es blüht, und der sonnige Himmel, der es wieein goldener Rahmen umstrahlt. Die Männer interessieren mich nieviel, wenn sie nicht entweder gemalt oder gemeißelt sind, und Ihnen,Maria, überlasse ich allen möglichen Enthusiasmus in betreff jenerschönen, geschmeidigen Italiener, die so wildschwarze Backenbärte und