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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
73
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Memoiren des Herrn von Schuabelewopski.

stirns die Blumen berühren, dann wachsen sie heiter empor undöffnen ihre Kelche und entfalten ihren buntesten Farbenschmuck. DesNachts, wenn ihre Sonne entfernt ist, stehen sie traurig mit ge-schlossenen Kelchen, und schlafen, oder träumen von den goldenenStrahlenküssen der Vergangenheit. Diejenigen Blumen, die immerim Schatten stehen, verlieren Farbe und Wuchs, verkrüppeln und er-bleichen und welken mißmutig, glücklos. Die Blumen aber, die ganzim Dunkeln wachsen, in alten Burgkellern, unter Klosterrninen, diewerden häßlich und giftig, sie ringeln am Boden wie Schlangen,schon ihr Dust ist unheilbringend, boshaft betäubend, tödlich

O, du brauchst deine biblische Parabel nicht weiter auszuspinncn,schrie der dicke Tricksen, indem er sich ein großes Glas SchiedammerGenevcr in den Schlund goß; du, kleiner Simson, bist eine frommeBlume, die im Sonnenschein Gottes die heiligen Strahlen der Tugendund Liebe so trunken einsangt, daß deine Seele wie ein Regenbogenblüht, während die nnsrige, abgewendet von der Gottheit, farblos undhäßlich verwelkt, wo nicht gar pcstilenzialischc Düfte verbreitet

Ich habe einmal zu Frankfurt, sagte der kleine Simson, eineUhr gesehen, die an keinen Uhrmacher glaubte; sie war von Tombakund ging sehr schlecht

Ich will dir wenigstens zeigen, daß so eine Uhr wenigstens gutschlagen kann, versetzte Tricksen, indem er plötzlich ganz ruhig wurdeund den Kleinen nicht weiter molestierte.

Da letzterer trotz seiner schwachen Ärmchen ganz vortrefflich stieß,so ward beschlossen, daß sich die beiden noch denselben Tag aufParisicns schlagen sollten. Sic stachen auseinander los mit großerErbitterung. Die schwarzen Augen des kleinen Simson glänztenfeurig groß, und kontrastierten um so wunderbarer mit seinen Ärni-chen, die aus den anfgeschürzten Hemdärmeln gar kläglich dünnhervortraten. Er wurde immer heftiger; er schlug sich ja für dieExistenz Gottes, des alten Jehovah, des Königs der Könige. Dieseraber gewährte seinem Champion nicht die mindeste Unterstützung,und im sechsten Gang bekam der Kleine einen Stich in die Lunge!O Gott! seufzte er, und stürzte zu Boden.

Kapitel XIV.

Diese Scene hatte mich furchtbar erschüttert. Gegen das Weibaber, das mittelbar solches Unglück verursacht, wandte sich der ganzeUngestüm meiner Empfindungen; das Herz voll Zorn und Kummerstürmte ich nach dem roten Ochsen.

Ungeheuer, warum hast du keine Suppe geschickt? Dieses warendie Worte, womit ich die erbleichende Wirtin anredete, als ich sie inder Küche antraf. Das Porzellan auf dem Kamine zitterte bei dem