Memoiren des Herrn von Schnnbelewopski. 71
dürfen sie es eimncil sagen, so können sie doch einander selten ver-stehen! Und dabei leben sie nicht ewig wie wir, sie sind sterblich,nur eine kurze Spanne Zeit ist ihnen vergönnt das Gliick zu suchen,sie müssen es schnell erhaschen, hastig ans Herz drücken, ehe es ent-flieht — deshalb sind ihre Liebeslieder auch so zart, so innig, so süßängstlich, so verzweiflungsvoll lustig, ein so seltsames Gemisch vonFreude und Schmerz. Der Gedanke des Todes wirft seinen melan-cholischen Schatten über ihre glücklichsten Stunden und tröstet sielieblich im Unglück, Sie können weinen. Welche Poesie in so einerMenschenthräne!"
Hörst du, sagte ich zu Jadviga, wie die da unten über unsurteilen? — Wir wollen, uns umarmen, damit sie uns nicht mehrbemitleiden, damit sie sogar neidisch werden! Sie aber, die Geliebte,sah mich an mit unendlicher Liebe, und ohne ein Wort zu reden,Ich hatte sie stumm geküßt. Sie erblich, und ein kalter Schauerüberflog die holde Gestalt, Sie lag endlich starr wie weißer Marmorin meinen Armen, und ich hätte sie für tot gehalten, wenn sich nichtzwei große Thränenströme unaufhaltsam aus ihren Augen ergossen— und diese Thräncn überfluteten mich, während ich das holde Bildimmer gewaltiger mit meinen Armen umschlang —
Da hörte ich plötzlich die keifende Stimme meiner Hauswirtin,und erwachte aus meinem Traum, Sie stand vor meinem Bette,mit der Blendlaterne in der Hand, und bat mich, schnell auszustehenund sie zu begleiten. Nie hatte sie so häßlich gesehen, Sie war imHemde, und ihre verwitterten Brüste vergoldete der Mondschein, dereben durchs Fenster fiel; sie sahen aus wie zwei getrocknete Citronen,Ohne zu wissen, was sie begehrte, folgte ich ihr nach dem Schlaf-gemache ihres Gatten, und da lag der arme Mann, die Nachtmützeüber die Augen gezogen, und schien heftig zu träumen. Manchmalzuckte sichtbar sein Leib unter der Bettdecke, seine Lippen lächeltenvor überschwenglichster Wonne, spitzten sich manchmal krampfhaft wiezu einem Kusse, und er röchelte und stammelte: Vasthi! KöniginVasthi! Majestät! Fürchte keinen Ahasveros! Geliebte Vasthi!
Mit zorngliihenden Augen beugte sich nun das Weib über denschlafenden Gatten, legte ihr Ohr an sein Haupt, als ob sie seineGedanken erlauschen könnte, und flüsterte mir zu: Haben Sie sichnun überzeugt, Mynheer Schnabelewopski? Er hat jetzt eine Buhl-schaft mit der Königin Vasthie! Der schändliche Ehebrecher! Ichhabe dieses unzüchtige Verhältnis schc i gestern nacht entdeckt. Sogareine Heidin hat er mir vorgezogen! Aber ich bin Weib und Christin,und Sie sollen sehen, wie ich mich räche.
Bei diesen Worten riß sie erst die Bettdecke von dem Leibe desarmen Sünders — er lag im Schweiß — alsdann ergriff sie einhirschlederues Bruchband, und schlug damit gottlästerlich los auf die