Memoiren des Herrn von Schnabelewopski. 69
Mutter Maria, oder die alte Warthe, oder auch meinethalb die Mag-daleue, die sich ja gebessert hat — aber ein nächtliches Verhältnismit den Sauftöchtern des alten Lot, mit der sauberen MadameJudith, mit der verlaufenen Königin von Saba und dergleichen zwei-deutigen Weibsbildern darf nicht geduldet werdein Nichts glich aberihrer Wut, als eines Morgens ihr Mann im Übergeschwätze derSeligkeit eine begeisterte Schilderung der schönen Esther entwarf,welche ihn gebeten, ihr bei ihrer Toilette behilflich zu sein, indem siedurch die Macht ihrer Reize den König Ahasveros für die gute Sachegewinnen wollte. Vergebens beteuerte der arme Mann, daß HerrMardachai selber ihn bei seiner schönen Pflegetochter eingeführt, daßdiese schon halb bekleidet war, daß er ihr nur die langen schwarzenHaare ausgekämmt — vergebens! die erboste Frau schlug den armenMann mit seinen eigenen Bruchbändern, goß ihm den heißen Kaffeeins Gesicht, und sie hätte ihn gewiß umgebracht, wenn er nicht aufsheiligste versprach, allen Umgang mit den alttestamentalischen Weibernaufzugeben, und künftig nur "mit Erzvätern und männlichen Pro-pheten zu verkehren.
Die Folge dieser Mißhandlung war, daß Myuheer von nun ansein nächtliches Glück gar ängstlich verschwieg; er wurde jetzt erst ganzein heiliger Rvus; wie er mir gestand, hatte er den Mut, sogar dernackten Susanna die unsittlichsten Anträge zu machen; ja, er waram Ende frech genug, sich in den Harem des Königs Solomonhineinznträumen und mit dessen tausend Weibern Thec zu trinken.
Kapitel xii.
Unglückselige Eifersucht! durch diese ward einer meiner schönstenTräume und mittelbar vielleicht das Leben des kleinen Simsonunterbrochen!
Was ist Traum? Was ist owd? Ist dieser nur eine Unter-brechung des Lebens, oder gänzliches Aufhören desselben? Ja, fürLeute, die nur Vergangenheit und Zukunft kennen und nicht in jedemMomente der Gegenwart eine Einigkeit leben können, ja, für solchemuß der Tod schrecklich sein! Wenn ihnen die beiden Krücken, Raumund Zeit, entfallen, dann sinken sie ins ewige Nichts.
Und der Traum? Warum fürchten wir uns vor dem Schlafen-gehen nicht weit mehr als vor dem. Begrabenwerdcn? Ist es nichtfurchtbar, daß der Leib eine ganze Nacht lcichentot sein kann, währendder Geist in uns das bewegteste Leben führt, ein Leben mit allenSchrecknissen jener Scheidung, die wir eben zwischen Leben und Geistgestiftet? Wenn einst in der Zukunft beide wieder in unserem Be-wußtsein vereinigt sind, dann gicbt es vielleicht keine Träume mehr,oder nur kranke Menschen, Menschen, deren Harmonie gestört, werden