Memoiren des Herrn von Schnabelewopski, ö?
Jenes hölzerne Gespenst, jenes grauenhafte Schiff führt seinen^llamenvon feinem Kapitän, einem Holländer, der einst bei allen Teufeingeschworen, daß er irgend ein Vorgebirge, dessen Namen mir entfallen, trotz des heftigen Sturmes, der eben wehte, umschiffen wolle,und sollte er auch bis zum jüngsten Tage segeln müssen. Der Teufethat ihn beim Wort gefaßt, er muß bis zum jüngsten Tage ans demMeere hernmirren, es sei denn, daß er durch die Treue eines Weibeserlöst werde. Der Teufel, dumm wie er ist, glaubt nicht an Weiber-treue, und erlaubte daher dein verwünschten Kapitän, alle sieben Jahreeinmal ans Land zu steigen und zu heiraten, und bei dieser Gelegen-heit seine Erlösung zu betreiben. Armer Holländer! Er ist oft frohgenug, von der Ehe selbst wieder erlöst und seine Erlöserin los zuwerden, und er begiebt sich dann wieder an Bord.
Auf diese Fabel gründete sich das Stück, das ich im Theater zuAmsterdam gesehen. Es sind wieder sieben Jahre verflossen, der armeHolländer ist des endlosen Umherirrens müder als jemals, steigt nnSLand, schließt Freundschaft mit einem schottischen Kaufmann, dem erbegegnet, verkauft ihm Diamanten zu spottwohlfeilem Preise, undwie er hört, daß sein Kunde eine schöne Tochter besitzt, verlangt ersie zur Gemahlin. Auch dieser Handel wird abgeschlossen. Nunsehen wir das Haus des Schotten; das Mädchen erwartet den Bräu-tigam, zagen Herzens. Sie schaut oft mit Wehmut nach einem großenverwitterten Gemälde, welches in der Stube hängt und einen schönenMann in spanisch-niederländischer Tracht darstellt; es ist ein altesErbstück, und nach der Aussage der Großmutter ist es ein getreuesKonterfei des fliegenden Holländers, wie man ihn vor hundert Jahrenin Schottland gesehen, zur Zeit König Wilhelms von Oranien. Auchist mit diesem Gemälde eine überlieferte Warnung verknüpft, daß dieFrauen der Familie sich vor dem Originale hüten sollten. Ebendeshalb hat das Mädchen von Kind auf sich die Züge des gefährlichenMannes ins Herz geprägt. Wenn nun der wirkliche fliegende Holländerleibhaftig hereintritt, erschrickt das Mädchen; aber nicht aus Furcht.Auch jener ist betroffen bei dem Anblick des Porträts. Als manihm bedeutet, wen es vorstelle, weih er jedoch jeden Argwohn vonsich fern zu halten; er lacht über den Aberglauben, er spöttelt selberüber den fliegenden Holländer, den ewigen Juden des Ozeans: jedochunwillkürlich in einen wehmütigen Ton übergehend, schildert er, wieMynheer ans der unermeßlichen Wasserwüste die unerhörtesten Leidenerdulden müsse, wie sein Leib nichts anderes sei als ein Sarg vonFleisch, worin seine Seele sich langweilt, wie das Leben ihn von sichstößt und auch der Tod ihn abweist; gleich einer leeren Tonne, diesich die Wellen einander zuwerfen und sich spottend einander zurück-werfen, so werde der arme Holländer zwischen Tod und Leben hinund her geschleudert, keins von beiden wolle ihn behalten; sein Schmerz