32 Novellistische Fragmente.
Wehrgehünge seines Schwertes, welches er in, Arme zu tragen schien,und dessen Griff kostbar hervorblitzte aus dem weißen Reitermantel,der seine schlanken Glieder scheinbar nachlässig umhüllte und dennochden sorgfältigsten Faltenwurf verriet. Hin und wieder, teils mitNeugier, teils mit Kennermienen, nahte er sich den vorüberwandeln-den Frauenzimmern, sah ihnen seelenruhig fest ins Antlitz, verweiltebei solchem Anschauen, wenn die Gesichter der Mühe lohnten, sagteauch manchem liebenswürdigen Kinde einige rasche Schmcichelworte,und schritt sorglos weiter, ohne die Wirkung zu erwarten. Die schöneSara hatte er schon mehrmals umkreist, jedesmal wieder zurück-gescheucht von dem gebietenden Blick derselben oder auch von derrätselhaft lächelnden Miene ihres Mannes, aber endlich, in stolzen.Abstreifen aller scheuen Befangenheit, trat er beiden keck in den Weg,und mit stutzenhafter Sicherheit und süßlich galantem Tone hielt erfolgende Anrede,
„Sennora, ich schwöre! Hört, Sennora, ich schwöre! Bei denRosen beider Kastilien, bei den aragonesischen Hyacinthen und nnda-lnsischen Grnnatblüten! Bei der Sonne, die ganz Spanien mit allseinen Blumen, Zwiebel», Erbsensuppen, Wäldern, Bergen, Maul-eseln, Ziegenböcken und Alt-Christen beleuchtet! Bei der Himmels-dccke, woran diese Sonne nur ein goldener Quast ist! Und bei demGott, der ans der Himmclsdecke sitzt, und Tag und Nacht über neueBildung holdseliger Franengcstalten nachsinnt... Ich schwöre, Sennora,Ihr seid daS schönste Weib, das ich im deutschen Lande gesehen habe,und so Ihr gewillt seid, meine Dienste anzunehmen, so bitte ich Euchum die Gunst, Huld und Erlaubnis, mich Euren Ritter nennen zudürfen, und in Schimpf und Ernst Eure Farben zu tragen!"
Ein errötender Schmerz glitt über das Antlitz der schönen Sara,und mit einem Blicke, der um so schneidender wirkt, je sanfter dieAugen sind, die ihn versenden, und mit einem Tone, der um so vernich-tender, je bebend weicher die Stimme, antwortete die ticfgekränkte Frau:„Edler Herr! Wenn Ihr mein Ritter sein wollt, so müht Ihrgegen ganze Völker kämpfen, und in diesem Kampfe giebt es wenigDank und noch weniger Ehre zu gewinnen! Und wenn Ihr garmeine Farben tragen wollt, so müßt Ihr gelbe Ringe auf EurenMantel nähen oder eine blaugestreifte Schärpe umbinden; denn diesessind meine Farben, die Farben meines Hauses, des Hauses, welchesJSrael heißt, und sehr elend ist, und auf den Gassen verspottet wirdvon den Söhnen des Glücks."
Plötzliche Purpurröte bedeckte die Wangen des Spaniers, eineunendliche Verlegenheit arbeitete in allen seinen Zügen, und faststotternd sprach er:
„Sennora . . . Ihr habt mich mißverstanden . . . unschuldigerScherz. . , aber, bei Gott, kein Spott, kein Spott über Israel . . .