24 Novellistische Fragmente.
„Es kam ein Schlächterlein, und schlachtete das Öchslein, dasgesoffen das Wässerlei», daS gelöscht das Fencrlein, das verbranntdas Stöcklein, das geschlagen das Hündlein, das gebissen das Kätz-lein, das gefressen das Böcklein, das gekauft Väterleiu, er gab dafürzwei Suslein; ein Böcklein! ein Böcklein!
„Es kam ein Todesenglcin, und schlachtete das Schlächterlein,das geschlachtet das Öchslein, das gesoffen das Wässerlein, das gelöschtdas Feuerlcin, das verbrannt das Stöcklein, das geschlagen das Hünd-lein, das gebissen das Ktttzlein, das gefressen das Böcklein, das gekauftVäterleiu, er gab dafür zwei Suslein; ein Böcklein! ein Böcklein!"
„Ja, schöne Frau" — fügte der Sänger hinzu — „ einst kvmmtder Tag, wo der Engel des Todes den Schlächter schlachten wird, undall unser Blut kommt über Edvin; denn Gott ist ein rächenderGott — — —"
Aber plötzlich den Ernst, der ihn unwillkürlich beschlichen, gewalt-sam abstreifend, stürzte sich Jäkel der Narr wieder in seine Possen-rcißcreicn und fuhr fort mit schnarrendem Lustigmachertone: „FürchtetEuch nicht, schöne Frau, der Nasenstern thnt Euch nichts zuleid. Nurfür die alte Schnapper-Elle ist er gefährlich. Sie hat sich in seineNase verliebt, aber die verdient es auch. Sie ist schön wie der Turm,der gen Damaskus schaut und erhaben wie die Ceder des Libanons.Auswendig glänzt sie wie Glimmgvld und Sirup, und inwendig istlauter Musik und Lieblichkeit. Im Sommer blüht sie, im Winterist sie zugefroren, und Sommer und Winter wird sie gehätschelt vonSchnapper-Elles weißen Händen. Ja, die Schnapper-Elle ist verliebtin ihn, ganz vernarrt. Sie pflegt ihn, sie füttert ihn, und sobald erfett genug ist, wird sie ihn heiraten, und für ihr Alter ist sie nochjung genug, und wer mal nach dreihundert Jahren nach Frankfurtkommt, wird den Himmel nicht sehen können vor lauter Naseustcrnen!"
„Ihr seid Jäkel der Narr" — rief lachend der Rabbi — „ichmerk' es an Euren Worten. Ich habe oft von Euch sprechen gehört."
„Ja, ja," erwiderte jener mit drolliger Bescheidenheit — „ja,ja, das macht der Ruhm. Man ist oft weit und breit für einengrößeren Narren bekannt als man selbst weiß. Doch ich gebe mirviel Mühe ein Narr zu sein, und springe und schüttle mich, damitdie Schellen klingeln. Andere haben's leichter. . . Aber sagt mir,Rabbi, warum reiset ihr am Feiertage?"
„Meine Rechtfertigung" — versetzte der Befragte — „ steht imTalmud, und es heißt: Gefahr vertreibt den Sabbath."
„Gefahr!" — schrie Plötzlich der lange Nasenstern und gebürdetesich wie in Todesangst — „Gefahr! Gefahr! Trommelhans, trommel,trommle, Gefahr! Gefahr! Trommelhans..."
Draußen aber rief der Trommelhans mit seiner dicken Bier-stimme: „Tausend Donner-Sakrament! Der Teufel hole die Juden!