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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
18
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18 Novellistische Fragmente.

Weibe nach dem Römer, Dieses ist der große, mit hoben Giebel-häusern umgebene Marktplatz der Stadt, seinen Namen führend voneinem ungeheuren Hause, daS „Zum Römer" hieß und vom Magi-strate angekauft und zu einem Nathause geweiht wurde. In diesemGebäude wählte man Deutschlands Kaiser, und vor demselben wurdenoft edle Ritterspiele gehalten. Der König Maximilian, der dergleichenleidenschaftlich liebte, war damals in Frankfurt anwesend, und tagszuvor hatte man ihm zu Ehren vor dem Römer ein großes Stechenveranstaltet. An den hölzernen Schranken, die jetzt von den Zimmer-leuten abgebrochen wurden, standen noch viele Müßiggänger und er-zählten sich, wie gestern der Herzog von Braunschwcig und der Mark-graf von Brandenburg unter Pauken- und Trompetenschall gegen-einander gerannt, wie Herr Walther der Lump den Bttrenritter sogewaltig aus dem Sattel gestoßen, daß die Lanzensplitter in die Luftflogen, und wie der lange blonde König Max im Kreise seines Hof-gesindes auf dem Balkon stand und sich vor Freude die Hände rieb.Die Decken von goldenen Stoffen lagen noch auf der Lehne deSBalkons und der spitzbogigen Rathausfenster, Auch die übrigen Häuserdes Marktplatzes waren noch festlich geschmückt und mit Wappen-schildern verziert, besonders das Haus Limburg, auf dessen Bannereine Jungfrau gemalt war, die einen Sperber auf der Hand trägt,während ihr ein Affe einen Spiegel vorhält. Auf dem Balkon diesesHauses standen viele Ritter und Damen, in lächelnder Unterhaltunghinabblickend auf das Volk, das unten in tollen Gruppen und Auf-zügen hin und her wogte. Welche Menge Müßiggänger von jedemStande und Alter drängte sich hier, um ihre Schaulust zu befriedigen!Hier wurde gelacht, gegreint, gestohlen, in die Lenden gekniffen, ge-jubelt, und zwischendrein schmetterte gellend die Trompete des Arztes,der im roten Mantel mit seinem Hanswurst und Affen auf einemhohen Gerüste stand, seine eigene Kunstfertigkeit recht eigentlich aus-posaunte, seine Tinkturen und Wundersalben anpries, oder ernsthaftdas Uringlas betrachtete, das ihm irgend ein altes Weib vorhielt,oder sich anschickte, einem armen Bauer den Backzahn auszureißen.Zwei Fechtmeister, in bunten Bändern einherflatternd, ihre Rapiereschwingend, begegneten sich hier wie zufällig und stießen mit Schein-zorn aufeinander; nach langem Gefechte erklärten sie sich wechselseitigfür unüberwindlich, und sammelten einige Pfennige. Mit Trommlerund Pfeifer marschierte jetzt vorbei die neu errichtete Schützengilde.Hierauf folgte, angeführt von dem Stöcker, der eine rote Fahne trug,ein Rudel fahrender Fräuleins, die aus dem Frauenhause „ZumEsel" von Würzburg herkamen und nach dem Rosenthale hinzogen,wo die hochlöbliche Obrigkeit ihnen für die Meßzeit ihr Quartier an-gewiesen, „Mach die Augen zu, schöne Sara!" — sagte der Rabbi,Denn jene phantastisch und allzu knapp bekleideten Weibsbilder,