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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
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Der Rabbi von Bacharach. 17

LnzuS des Mvrgenlandes und Italiens feil boten, und die schöneSara war wie festgebannt beim Anblick der aufgeschichteten Putzsachenund Kleinodien, der bunten Mützen und Mieder, der güldenen Arm-spangen und Halsbänder, des ganzen Flittcrkrams, den die Frauensehr gern bewundern und womit sie sich noch lieber schmücken. Diereichgestickten Samt- und Seidenstoffe schienen mit der schönen Sarasprechen und ihr allerlei Wunderliches ins Gedächtnis zurückfunkclnzu wollen, und es war ihr wirklich zu Mute, als wäre sie wiederein kleines Mädchen, und Mühmele Täubchen habe ihr Versprechenerfüllt, und sie nach der Frankfurter Messe geführt, und jetzt ebenstehe sie vor den hübschen Kleidern, wovon ihr so viel erzählt worden.Mit heimlicher Freude überlegte sie schon, was sie nach Bacharachmitbringen wolle, welchem von ihren beiden Väschen, dem kleine»Blümchen oder dem kleinen Vögelchen, der blnnseidene Gürtel ambesten gefallen würde, ob auch die grünen Höschen dem kleinen Gott-schalk passen mögen, — doch plötzlich sagte sie zu sich selber: AchGott! die sind ja unterdessen gros; gewachsen und gestern umgebrachtworden! Sie schrak heftig zusammen, und die Bilder der Nacht wolltenschon mit all ihrem Entsetzen wieder in ihr aufsteigen: doch die gold-gestickten Kleider blinzelten nach ihr wie mit tausend Schelmenaugenund redeten ihr alleS Dunkle aus dem Sinn, und wie sie hinaussahnach dem Antlitz ihres Mannes, so war dieses unumwölkt, und trugseine gewöhnliche ernste Milde. „Mach die Augen zu, schöne Sara"— sagte der Rabbi, und führte seine Frau weiter durch das Men-schengcdränge.

Welch ein buntes Treiben ! Zumeist waren es Handelsleute, dielaut miteinander feilschten, oder auch mit sich selber sprechend an denFingern rechneten, oder auch von einigen hochbcpackten Markthelfern,die in kurzem Huudetrab hinter ihnen her liefen, ihre Einkäufe nachder Herberge schleppen ließen. Andere Gesichter ließen merken, daßbloß die Neugier sie herbeigezogen. Am roten Mantel und der gol-denen Halskette erkannte man den breiten Ratsherrn. Das schwarze,wohlhabend bauschige Wams verriet den ehrsamen, stolzen Altbürger.Die eiserne Pickelhaube, daS gelblederne Wams und die klirrendenPfuudspvren verkündigten den schweren Neitersknccht. Unterm schwarzenSamthäubchen, daS in einer Spitze auf der Stirne zusammenlief,barg sich ein rosiges Mädchengesicht, und die jungen Gesellen, diegleich witternden Jagdhunden hinterdrein sprangen, zeigten sich alsvollkommene Stutzer durch ihre keck befiederten Barette, ihre klingen-den Schnabelschuhc und ihre seidenen Kleider von geteilter Farbe, wodie rechte Seite grün, und die linke Seite rot, oder die eine regen-bvgenartig gestreift, die andere buntscheckig gewürfelt war, so daß dienärrischen Burschen aussähen, als wären sie in der Mitte gespalten.Von der Menschenströmung fortgezogen, gelangte der Rabbi mit seinemH eine's Werke. XI. Bd. 2