14 Novellistische Fragmente.
den Augen lachte, und sich behaglich hin und her wiegte in seinemIvetten, blnnseidenen Sabbathschlafrock, , , Es mußte wohl Sabbathsein, denn die geblümte Decke war über den Tisch gespreitet, alleGeräte im Zimmer leuchteten, spiegelblank gescheuert, der wcißbärtigeGemeindediener saß an der Seite des Vaters und kante Rosinen undsprach hebräisch, auch der kleine Abraham kam herein mit einemallmächtig großen Buche, und bat bescheidcntlich seinen Oheim umdie Erlaubnis, einen Abschnitt der heiligen Schrift erklären zu dürfen,damit der Oheim sich selber überzeuge, daß er in der verflossenenWoche viel gelernt habe und viel Lob und Kuchen verdiene , . , Nunlegte der kleine Bursche das Buch ans die breite Armlehne des Sessels,und erklärte die Geschichte von Jakob und Rahel, wie Jakob seineStimme erhoben und laut geweint, als er sein Mühmchen Rahclzuerst erblickte, wie er so traulich am Brunnen mit ihr gesprochen,wie er sieben Jahr um Rahel dienen mußte, und wie sie ihm soschnell verflossen, und wie er die Rahel geheiratet und immer undimmer geliebt hat , , , Auf einmal erinnerte sich auch die schöne Sara,daß ihr Vater damals mit lustigem Tone ausrief: „Willst du nichtebenso dein Mühmchen Sara heiraten?" worauf der kleine Abrahamernsthaft antwortete: „DaS will ich, und sie soll sieben Jahr warten."Dämmernd zogen diese Bilder durch die Seele der schönen Frau, siesah, wie sie und ihr kleiner Vetter, der jetzt so groß und ihr Manngeworden, kindisch miteinander in der Lauberhüttc spielten, wie siesich dort ergötzten an den bunten Tapeten, Blumen, Spiegeln undvergoldeten Äpfeln, wie der kleine Abraham immer zärtlicher mit ihrkoste, bis er allmählich größer und mürrischer wurde, und endlichganz groß und ganz mürrisch . . . lind endlich sitzt sie zu Hause alleinin ihrer Kammer eines Samstagabends, der Blond scheint hell durchsFenster, und die Thür fliegt auf, und hastig stürmt herein ihr VetterAbraham, in Reisckleidern und blaß wie der Tod, und ergreift ihreHand, steckt einen goldenen Ring an ihren Finger und spricht feier-lich: „Ich nehme dich hiermit zu meinem Weibe nach den Gesetzenvon Moses und Israel!" „Jetzt aber" — setzt er bebend hinzu —„jetzt muß ich fort nach Spanien. Lebewohl, sieben Jahre sollst duauf mich warten!" Und er stürzt fort, und weinend erzählte dieschöne Sara das alles ihrem Vater . . . Der tobt und wütet: „Schneidab dein Haar, denn du bist ein verheiratetes Weib!" — und er willdem Abraham nachreiten, nin einen Scheidebrief von ihm zu er-zwungen; — aber der ist schon über alle Berge, der Vater kehrtschweigend nach Haus zurück, und wie die schöne Sara ihm die Reit-stiefeln ausziehen hilft und besänftigend äußert, daß der Abrahamnach sieben Jahren zurückkehre, da flucht der Vater: „Sieben Jahrsollt ihr betteln gehn!" und bald stirbt er.
So zogen der schönen Sara die alten Geschichten durch den Sinn,