Die Göttin Diana. 187
ewig dienstbar zu sein mit Leib und Leben. Er sieht auf dem Altarein Messer und eine Opferschalc, ein schauerlicher Gedanke durchdringtihn, er erinnert sich, daß die Göttin einst Menschenopfer liebte, undin der Trunkenheit seiner Leidenschaft ergreist er Messer und Schale— er ist im Begriff, dieselbe als Libanon mit seinem Herzblut zuerfüllen, schon kehrt er den Stahl nach seiner Brust — da springtdie wirkliche leibliche Göttin aus ihrem Versteck hervor, ergreift seinenArm, entwindet seiner Hand das Messer — und beide schauen sichan, während einer langen Pause, mit wechselseitiger Verwunderung,schauerlich entzückt, sehnsüchtig, zitternd, totesmutig, voll Liebe. Inihrem Zweitanz fliehen und suchen sie sich, aber diesmal nur, umsich immer wiederzufinden, sich immer wieder einander in die Armezu sinken. Endlich setzen sie sich kosend nieder, wie glückliche Kinder,auf dem Picdestal der Statue, während die Nymphen sie als Chorusumtanzcu und durch ihre Pantomimen den Kommentar bilden vondem, was sich die Liebenden erzählen —
(Diana erzählt ihrem Ritter, daß die alten Götter nicht tot sind,sondern sich nur Versteckt halten in Berghöhlen und Tempelruiuen,wo sie sich nächtlich besuchen und ihre Freudenfeste feiern.)
Mau hört Plötzlich die lieblich sanfteste Musik, und es tretenherein Apollo und die Musen. Jener spielt den Liebenden ein Liedvor, und seine Gefährtinnen tanzen einen schönen gemessenen Reigenum Diana und den Ritter. Die Musik wird brausender, es klingenvon draußen üppige Weisen, Zimbal- und Paukeuklänge, und dasist Bacchus, welcher seinen fröhlichen Einzug hält mit seinen Satyrnund Bacchanten. Er reitet auf einem gezähmten Löwen, zu seinerRechten reitet der dickbäuchige Silen auf einem Esel. Tolle, aus-gelassene Tänze der Satyrn und Bacchanten. Letztere mit Wcinlanb,oder auch mit Schlangen in den flatternden Haaren, oder auch mitgoldenen Kronen geschmückt, schwingen ihre Thyrscn und zeigen seneübermütigen, unglaublichen, ja unmöglichen Posituren, welche wirauf alten Vasen und sonstigen Basreliefs scheu. Bacchus steigt zuden Liebenden herab und ladet sie ein, teilzunehmen an seinem Frendcn-dienste. Jene erheben sich und tanzen einen Zweitanz der trunkenstenLebenslust, dem sich Apollo und Bacchus, nebst beider Gefolge, sowieauch die Nymphen Dianas, anschließen.
Zweites Tnblenu.
Großer Saal in einer gotischen Ritterburg. Bediente in bunt-scheckigen Wappenrvcken sind beschäftigt mit Vorbereitungen zu einemBalle. Links eine Estrade, Ivo Musiker zu sehen, die ihre Instrumenteprobieren. Rechts ein hoher Lehnsessel, worauf der Ritter sitzt, brütendund melancholisch. Neben ihm stehen seine Gattin im enganliegenden,spitzkragigcn Chatelaine-Kostüm und sein Schalksnarr mit Narrenkappe