IM Deutschland II.
eine gräßliche Schlange verwandelt hat, mit wilder Umschlingung er-drosselt. Die ganze Gruppe versinkt unter Flammcngeprassel in dieErde, während das Glockengeläute und die Orgelklänge, die vom Domeher ertönen, zu frommen, christlichen Gebeten auffordern.
Erläuterungen.
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Vsur 8ir!
Eine leicht begreifliche Zagnis überfiel mich, als ich bedachte, daßich zu meinem Ballette einen Stoff gewählt, den bereits unser großerWolfgang Goethe, und gar in feinem größten Meisterwerke, behandelthat. Wäre es aber schon gefährlich genug, bei gleichen Mitteln derDarstellung mit einem solchen Dichter zu wetteifern, wieviel hals-brechender müßte daS Unternehmen fein, wenn man mit ungleichenWaffen in die Schranken treten wollte! In der That, WolfgangGoethe hatte, um seine Gedanken auszusprechen, das ganze Arsenalder redenden Künste zu seiner Verfügung, er gebot über alle Truhendes deutschen Sprachschatzes, der so reich ist an ausgeprägten Denk-worten des Tiefsinns und uralten Naturlauten der Gemütswelt,Zaubersprüche, die, im Leben längst verhallt, gleichsam als Echo inden Reimen des Gvetheschcn Gedichtes wiederklingen und des LesersPhantasie so wunderbar aufregen! Wie kümmerlich dagegen sinddie Mittel, womit ich Ärmster ausgerüstet bin, nur das, was ich denkeund fühle, zur äußeren Erscheinung zu bringen! Ich wirke nurdurch ein mageres Libretto, worin ich in aller Kürze andeute, wieTänzer und Tänzerinnen sich gehaben und gebärden sollen, und wieich mir dabei die Musik nud die Dekorationen ungefähr denke. Unddennoch habe ich es gewagt, einen Doktor Faustus zu dichten in derForm eines Balletts, realisierend mit dem großen Wolfgang Goethe,der mir sogar die Jugendfrische des Stoffes vorweggenommen, undzur Bearbeitung desselben sein langes blühendes Göttcrlebcn anwendenkonnte, — während mir, dem bekümmerten Kranken, von ihnen, ver-ehrter Freund, nur ein Termin von vier Wochen gestellt ward, binnenwelchem ich Ihnen mein Werk liefern mußte.
Die Grenzen meiner Darstellungsmittel konnte ich leider nichtüb erschreiten, aber innerhalb derselben habe ich geleistet, was einbraver Mann zu leisten vermag, und ich habe wenigstens einem Verdienste nachgestrebt, dessen sich Goethe keineswegs rühmen darf; inseinem Faustgedichte nämlich vermissen mir durchgängig das treue