186 Deutschland II.
keine weitere Ausführimg widmete, da dvch späterhin für die Bühnekein Gebranch davon gemacht werden konnte. Ich veröffentliche siehier, nicht nm meinen Ruhm zu fördern, sondern um Krähen, dienur überall nachschnüffeln, zu verhindern, sich allzu stolz mit fremdenPfauenfedern zu schmücken. Die Fabel meiner Pantomime ist nämlichim wesentlichen bereits im ersten Teile der vorhergehenden Abhand-lung enthalten, aus welchem auch mancher Maestro Barchel schonmanchen Schoppen Most geholt hat. Diese Dianen-Legende ver-öffentliche ich übrigens hier an der geeignetsten Stelle, da sie sichunmittelbar dem Sagenkreise der „Götter im Exil" anschließt, undich mich also hier jeder besonderen Bevorwortnng überheben kann.
Paris, den 1. März 1354.
Heinrich Heine.
Erstes TiMt-tUl.
Ein uralter verfallener Tempel der Diana. Diese Nnine istnoch ziemlich gut erhalten, nur hier und da ist eine Säule gebrochenund eine Lücke im Dach; durch letztere sieht man ein Stück Abend-himmel mit dem Halbmonde. Rechts die Aussicht in einen Wald.Links der Altar mit einer Statue der Göttin Diana. Die Nymphenderselben kauern hier und da ans dem Boden, in nachlässigen Gruppen.Sie scheinen verdrießlich und gelangweilt. Manchmal springt eine der-selben in die Höhe, tanzt einige Pas und scheint in heiteren Er-innerungen verloren. Andere gesellen sich zu ihr und vollbringenantike Tänze. Zuletzt tanzen sie um die Statue der Göttin, halbscherzhaft, halb feierlich, als wollten sie Probe halten zu einem Tempel-feste. Sie zünden die Lampen an und winden Kränze.
Plötzlich, von der Seite des Waldes, stürzt herein die GöttinDiana, ün bekannten Jagdkostüm, wie sie auch hier als Statuekonterfeit ist. Sie scheint erschrocken, wie ein flüchtiges Reh. Sieerzählt ihren bestürzten Nymphen, daß jemand sie verfolgt. Sie istin der höchsten Aufregung der Angst, aber nicht bloß der Angst.Durch ihren spröden Unmut schimmern zärtlichere Gefühle. Sieschaut immer nach dem Wald, scheint endlich ihren Verfolger zu er-blicken, und versteckt sich hinter ihre eigene Statue.
Ein junger deutscher Ritter tritt ans. Er sucht die Göttin.Ihre Nymphen umtanzen ihn, nur ihn fernzuhalten von der Bild-säule ihrer Gebieterin. Sie kosen, sie drohen. Sie ringen mit ihm,er verteidigt sich neckend. Endlich reißt er sich von ihnen los, erblicktdie Stalne , hebt flehend seine Arme zu ihr empor, stürzt zu ihrenFüßen, umfaßt verzweiflnngsvoll ihr Piedcslal und erbietet sich ihr