Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

Die Götter im Exil.

145

^ie Götter im Amt.

(183S und 18S3.)

Vorbemerkung zur französischen Ausgabe/)

Wir scheiden alle dahin, Menschen und Götter, Glaubenslehrenchro^aness) und Sagen ... Es ist vielleicht ein frommes Werk,diese letzteren vor völliger Vergessenheit zu bewahren, indem man sieeinbalsamiert, nicht nach der häßlichen Gannalschen Methode, sonderndurch Anwendung von Geheimmitteln, die sich nur in der Apothekedes Dichters finden. Ja, die Glaubenslehren (erozmnvss) und mitihnen die Sagen scheiden dahin. Sie erlöschen, nicht allein in unserencivilisierten Ländern, sondern bis zu den mitternächtlichsten Welt-gegenden, Ivo unlängst noch der buntscheckigste Aberglaube in Florstand. Die Missionare, welche diese kalten Regionen durchwandern,beklagen sich über die Ungläubigkcit ihrer Bewohner. In dem Berichteines dänischen Geistlichen über eine Reise im Norden von Grönlanderzählt uns dieser, daß er einen Greis nach dem gegenwärtigenGlaubensznstandc der grönländischen Bevölkerung gefragt. Der guteMann antwortete ihm:Früher glaubte man noch an den Mond,aber heutzutage glaubt man nicht mehr daran."

Paris, den IS. März I85Z.

Heinrich Heine.

*) Obige Vorbemerkung ward bei der ersten Veröffentlichung derGötter imExil" in der Ilsvus clas clsux movüss (vom 1. April 1353) durch die Worte ein-geleitet:Vorliegende Studie ist das neueste Produkt meiner Feder; nur einigeBlätter stammen aus früherer Zeit. Auf diese Bemerkung kommt es mir an,damit es nicht etwa den Anschein habe, als trete ich in die Fußstapfen gewisserBuchschmiede, die manchmal aus meinen Sagenforschungen Vorteil zu ziehen ge-wußt haben. Ich würde gern eine baldige Fortsetzung dieser Arbeit versprechen,zu welcher das Material in meinem Gedächtnisse sich angehäuft; aber der schwankendeGesundheitszustand, in dem ich mich befinde, erlaubt mir nicht, eine Verbindlich-keit für den nächsten Tag einzugehen." Der Heransgeber.

Heine's Werke. VHI. Vd.

10