Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
179
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Die Götter im Exil. 179

er verschwand im Tumulte der Völkerwanderung. Seine Spur gingverloren, und ich habe vergebens alte Chroniken und alte Weiberbefragt, niemand wußte mir Auskunft zu geben über sein Schicksal.Ich habe in derselben Absicht viele Bibliotheken durchstöbert, wo ichmir die prachtvollsten Codices, geschmückt mit Gold und Edelsteinen,wahre Odalisken im Harem der Wissenschaft, zeigen ließ, und ich sageden gelehrten Eunuchen für die Ilnbrnmmigkcit und sogar Affnbilitcit,womit sie mir jene leuchtenden Schätze erschlossen, hier öffentlich denüblichen Dank. Es scheint, als hätten sich keine volkstümlichenTraditionen über einen mittelalterlichen Jupiter erhalten, und alles,was ich aufgegabelt, besteht in einer Geschichte, welche mir einst meinFreund Niels Andersen erzählte.

Ich habe soeben Niels Andersen genannt, und die liebe drolligeFigur steigt wieder lebendig in meiner Erinnerung herauf. Ich willihm hier einige Zeilen widmen. Ich gebe gern meine Quellen an,und ich erörtere ihre Eigenschaften, damit der geneigte Leser selbstbeurteile, inwieweit sie sein Vertrauen verdienen. Also einige Worteüber meine Quelle.

Niels Andersen, geboren zn Drontheim in Norwegen, war einerder größten Walfischjäger, die ich kennen lernte. Ich bin ihm sehrverpflichtet. Ihm verdanke ich alle meine Kenntnisse in Bezug aufden Walfischfang. Er machte mich bekannt mit allen Finten, diedas kluge Tier nnwendet, um dem Jäger zu entrinnen; er vertrautemir die Kriegslisten, womit man seine Finten vereitelt. Er lehrtemich die Handgriffe beim Schwingen der Harpune, zeigte mir, wieman mit dein Knie des rechten Beines sich gegen den Vvrderrauddes Kahnes stemmen muß, wenn man die Harpune nach dem Wal-fisch wirft, und wie man mit dem linken Bein einen gesalzenenFußtritt dem Matrosen versetzt, der das Seil, das an der Harpunebefestigt ist, nicht schnell genug nachschießen ließ. Ihm verdanke ichalles, und wenn ich kein großer Walfischjäger geworden, so liegt dieSchuld weder an Niels Andersen, noch an mir, sondern an meinembösen cschicksal, das mir nicht vergönnte, auf meinen Lebensfahrtenirgend einen Walfisch anzutreffen, mit welchem ich einen würdigenKampf bestehen konnte. Ich begegnete nur gewöhnlichen Stockfischenund lausigen Heringen. Was hilft die beste Harpune gegen einenHering? Jetzt muß ich allen Jagdhoffnungen entsagen, meiner gcsteiften Beine wegen. Als ich Niels Andersen zu Ritzebüttel beiKuxhaven kennen lernte, war er ebenfalls nicht mehr gut auf denFüßen, da am Senegal ein junger Haifisch, der vielleicht sein rechtesBein für ein Zuckerstängelchen ansah, ihm dasselbe abbiß, und derarme Niels seitdem auf einem Stelzfuß herumhumpcln mußte. Seingrößtes Vergnügen war damals, auf einer hohen Tonne zu sitzen,und auf dem Bauche derselben mit seinem hölzernen Beine zu trommeln.

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