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8 (1898) Deutschland : 2
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Die Götter im Exil. 173

sehen stand, beschloß er, sich unverzüglich zu ihm zu begeben. DieFrühsvnne fand daher den Fischer schon auf dein Wege nach dem Kloster,und demütigen Blickes stand er bald vor Seiner Hochwürden, demSuperior, der in seiner Bücherei, die Kapuze weit übers Gesicht ge-zogen, in einem Lehnsessel saß, und in dieser nachdenklichen Positursitzen blieb, während ihm der Fischer die grausenhafte Historie erzählte.Als derselbe mit dieser Relation zu Ende war, erhob der Superiorsein Haupt, und indem die Kapuze zurückfiel, sah der Fischer mitBestürzung, daß Seine Hochwürdcn einer von den drei Mönchen war,die jährlich über den See fuhren, und er erkannte in ihm eben den-jenigen, den er diese Nacht als heidnischen Dämon ans dem Sieges-wagen mit dein Löwengespann gesehen; es war dasselbe marmorblasseGesicht, dieselben regelmäßig schönen Züge, derselbe Mund mit denzärtlich gewölbten Lippen. — Und um diese Lippen schwebte einwohlwollendes Lächeln, und diesem Mund entquollen jetzt die sanft-klingenden salbungsreichen Worte: Geliebter Sohn in Christo! wirglauben herzlich gern, daß Ihr diese Nacht in der Gesellschaft desGottes Bacchus zugebracht habt, und Eure phantastische Spukgeschichtegiebt dessen hinlänglich Kunde. Wir wollen beileibe nichts lln-iiebiges von diesem Gotte sagen, er ist gewiß manchmal ein Sorgen-brecher und erfreut des Menschen Herz, aber er ist sehr gefährlich fürdiejenigen, die nicht viel vertragen können, und zu diesen scheint Ihrzu gehören. Wir raten Euch daher, hinfüro nur mit Maß desgoldenen Rebensaftes zu genießen, und mit den Hirngeburten derTrunkenheit die geistlichen Obrigkeiten nicht mehr zu behelligen, undauch von Eurer letzten Vision zu schweigen, ganz das Maul zu halten,widrigenfalls Euch der weltliche Arm des Büttels fünfundzwanzigPeitschenhiebe aufzählen soll. Jetzt aber, geliebter Sohn in Christo,geht in die Klosterküche, wo Euch der Bruder Kellermeister und derBruder Küchenmeister einen Imbiß vorsetzen sollen.

Hiermit gab der geistliche Herr dem Fischer seinen Segen, undals sich dieser verblüfft nach der Küche trollte und den Frater Küchen-meister und den Frater Kellermeister erblickte, fiel er fast zu Bodenvor Schrecken — denn diese beiden waren die zwei nächtlichen Ge-fährten des Superiors, die zwei Mönche, die mit demselben über denSee gefahren, und der Fischer erkannte den Dickwanst und die Glatzedes einen, ebenso wie die grinsend geilen Gesichtszüge nebst den Bocks-ohren des andern. Doch hielt er reinen Mund, und erst in späterenJahren erzählte er die Geschichte seinen Angehörigen.

Alte Chroniken, welche ähnliche Sagen erzählen, verlegen denSchauplatz nach Speier am Rhein.

An der ostfriesischcn Küste herrscht eine analoge Tradition, worindie altheidnischen Vorstellungen von der Überfahrt der Toten nachdem Schattenreiche, welche allen jenen Sagen zu Grunde liegen, am