170 Deutschland II.
.Kahn, daß dieselben ein Bersteck bildeten, wo er hineinschlüpfen konnte,während die Mönche das Fahrzeug besteigen würden. Die erwartetendunklen Kunden kamen wirklich um die bestimmte Zeit, und es gelangdein Fischer, sich unversehens unter die Netze zu verstecken und ander Überfahrt teilzunehmen. Zu seiner Verwunderung dauerte diesenur kurze Zeit, während er sonst mehr als eine Stunde brauchte,ehe er ans entgegengesetzte Ufer gelangen konnte, und noch größerwar sein Erstaunen, als er hier, wo die Gegend ihm so gut bekanntwar, jetzt einen weiten offenen Waldesplatz sah, den er früher nochnie erblickt, und der mit Bäumen umgeben war, die einer ihm ganzfremden Vegetation angehörten. Die Bäume waren behängt mitunzähligen Lampen, auch Vasen mit loderndem Waldharz standenaus hohen Postamenten, und dabei schien der Mond so hell, daß derFischer die dort versammelte Menschenmenge so genau betrachtenkonnte, wie am hellen Tage. Es waren viele hundert Personen,junge Männer und junge Frauen, meistens bildschön, obgleich ihreGesichter alle so weiß wie Marmor waren, und dieser Umstand, ver-bunden mit der Kleidung, die in weißen, sehr weit aufgeschürztenTuniken mit Purpursaum bestand, gab ihnen das Aussehen vonwandelnden Statuen. Die Frauen trugen auf den Häuptern Kränzevon natürlichem oder auch aus Gold- und Silberdraht verfertigtemWcinlaub, und das Haar war zum Teil auf dem Scheitel in eineKrone geflochten, zum Teil auch ringelte dasselbe aus dieser Kronewildlockig hinab in den Nacken. Die jungen Männer trugen ebenfallsauf den Häuptern Kränze von Weinlaub. Männer und Weiber aber,in den Händen goldene Stäbe schwingend, die mit Weinlaub umrankt,kamen jubelnd herangeflogen, um die drei Ankömmlinge zu begrüßen.Einer derselben warf jetzt seine Kutte von sich, und zum Vorscheinkam ein impertinenter Geselle von gewöhnlichem Mannesalter, derein widerwärtig lüsternes, ja unzüchtiges Gesicht hatte, mit spitzenBvcksohren begabt und eine lächerlich übertriebene Geschlechtlichkcit,eine höchst anstößige Hyperbel, zur Schau trug. Der andere Mönchwarf ebenfalls seine Kutte von sich, und man sah einen nicht mindernackten Dickwanst, auf dessen kahlen Glatzkopf die mutwilligen Weibereinen Rosenkranz Pflanzten. Beider Mönche Antlitz war schneeweiß,wie das der übrigen Versammlung. Schneeweiß war auch das Gesichtdes dritten Mönchs, der schier lachend die Kapuze vom Haupte streifte.Als er den Gürtelstrick seiner Kutte losband, und das frommeschmutzige Gewand nebst Kreuz und Rosenkranz mit Ekel von sichwarf, erblickte man in einer von Diamanten glänzenden Tunika einewunderschöne Jünglingsgestalt vom edelsten Ebenmaß, nur daß dierunden Hüften und die schmächtige Taille etwas Weibisches hatten.Auch die zärtlich gewölbten Lippen und die verschwindend weichenZüge verliehen dem Jüngling ein etwas weibisches Aussehen, doch