Die Götter im Exil. 169
Retirade dem Gotte Bacchus ergangen, und die Legende erzähltFolgendes:
In Tirol giebt es sehr große Seen, die von Waldungen um-geben, deren himmelhohe Bäume sich prachtvoll in der blauen Flutabspiegeln. Baum und Wasser rauschen so geheimnisvoll, daß einemwunderlich zu Sinne wird, wenn man dort einsam wandelt. Andem iiser eines solchen Sees stand die Hütte eines jungen Fischers,der sich mit dem Fischfang ernährte und auch wohl das Geschäft einesFährmanns besorgte, wenn irgend ein Reisender über den See geselltzu werden begehrte. Er hatte eine große Barke, die, an alten Baum-stämmen angebunden, unfern von seiner Wohnung lag. In dieserletzteren lebte er ganz allein. Einst, zur Zeit der herbstlichen Tages-gleiche, gegen Mitternacht, hörte er an sein Fenster klopfen, und alser vor die Thüre trat, sah er drei Mönche, die ihre Köpfe in denKutten tief vermummt hielten und sehr eilig zu sein schienen. Einervon ihnen bat ihn hastig, ihnen seinen Kahn zu leihen, und versprach,denselben in wenigen Stunden an dieselbe Stelle zurückzubringen.Die Mönche waren ihrer drei, und der Fischer, welcher unter solchenUmständen nicht lange zögern konnte, band den Kahn los, undwährend jene einstiegen und über den See fortfuhren, ging er nachseiner Hütte zurück und legte sich aufs Ohr. Jung wie er war, schliefer bald ein, aber nach einigen Stunden ward er von den zurück-kehrenden Mönchen aufgeweckt; als er zu ihnen hinaustrat, drückteihm einer von ihnen ein Silberstück als Fährgeld in die Hand, undalle drei eilten rasch von dannen. Der Fischer ging, nach seinemKahn zu schauen, den er fest angebunden fand. Dann schüttelte ersich, doch nicht wegen der Nachtlust. Es war ihm nämlich sonderbarfröstelnd durch die Glieder gefahren, und es hatte ihm fast das Herzerkältet, als der Mönch, der ihm das Fährgeld gereicht, seine Handberührte; die Finger des Mönches waren eiskalt. Diesen Umstandkonnte der Fischer einige Tage lang gar nicht vergessen. Doch dieJugend schlägt sich endlich alles Unheimliche aus dem Sinn, undder Fischer dachte nicht mehr an jenes Ereignis, als im folgendenJahre, gleichfalls um die Zeit der Tagesgleiche, gegen Mitternachtan das Fenster der Fischerhütte geklopft wurde und wieder mit großerHast die drei vermummten Mönche erschienen, welche wieder den Kahnverlangten. Der Fischer überließ ihnen denselben diesmal mit wenigerBesorgnis, und als sie nach einigen Stunden zurückkehrten, und ihmeiner der Mönche eilig das Fährgeld in die Hand drückte, fühlte erwieder mit Schaudern die eiskalten Finger. Dasselbe Ereignis wieder-holte sich jedes Jahr um dieselbe Zeit in derselben Weise, und endlich,als der siebente JahreStag herannahte, ergriff den Fischer eine großeBegier, das Geheimnis, das sich unter jenen drei Kutten verbarg,um jeden Preis zu erfahren. Er legte eine Menge Netzwerke in den