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8 (1898) Deutschland : 2
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168 Deutschland II.

revolutionären Epoche, als die Titanen ans dem Gewahrsam desOrkus herausbrachen und, den Pelion auf den Ossa türmend, denOlymp erkletterten. Sie mußten damals schmählich flüchten, diearmen Götter, und unter allerlei Vcrmnmmungcn verbargen sie sichbei uns auf Erden. Die meisten begaben sich nach Ägypten, wo siezu größerer Sicherheit Tiergestalt annahmen, wie männiglich bekannt.In derselben Weise mußten die armen Heidengötter wieder die Fluchtergreifen und unter allerlei Vermnmmungen in abgelegenen Ver-stecken ein Unterkommen suchen, als der wahre Herr der Welt seinKreuzbanner auf die Himmelsburg pflanzte, und die inkonoklastischenZeloten, die schwarze Bande der Mönche, alle Tempel brachen unddie verjagten Götter mit Feuer und Fluch verfolgten. Viele dieserarmen Emigranten, die ganz ohne Obdach und Ambrosia waren,mußten jetzt zu einem bürgerlichen Handwerke greifen, nm wenigstensdas liebe Brot zu erwerben. Unter solchen Uniständen muhte mancher,dessen heilige Haine konfisziert waren, bei uns in Deutschland alsHolzhacker taglöhnern und Bier trinken statt Nektar. Apollo scheintsich in dieser Not dazu bequemt zu haben, bei Viehzüchtern Dienstezu nehmen, und wie er einst die Kühe des Admetos weidete, so lebteer jetzt als Hirt in Niederösterreich, wo er aber, verdächtig gewordendurch sein schönes Singen, von einem gelehrten Mönch als ein alterzauberischer Heidengott erkannt, den geistlichen Gerichten überliefertwurde. Auf der Folter gestand er, daß er der Gott Apollo sei. Vorseiner Hinrichtung bat er auch, man möchte ihm nur noch einmalerlauben, auf der Zither zu spielen und ein Lied zu singen. Erspielte aber so herzrührend und sang so bezaubernd, und war dabeiso schön von Angesicht und Leibesgestalt, daß alle Frauen weinten,ja viele durch solche Rührung später erkrankten. Nach einiger Zeitwollte man ihn aus seiner Gruft wieder hervorziehen, um ihm einenPfahl durch den Leib zu stoßen, in der Meinung, er müsse ein Vampyrgewesen sein und die erkrankten Frauen würden durch solches probateHausmittel genesen; aber man fand das Grab leer.

Über die Schicksale des alten Kriegsgottes Mars seit dem Siegeder Christen weiß ich nicht viel zu vermelden. Ich bin nicht abge-neigt zu glauben, daß er in der Feudalzeit das Faustrecht benutzthaben mag. Der lange Schimmelpennig, Neffe des Scharfrichtersvon Münster, begegnete ihm zu Bologna, wo sie eine Unterredunghatten, die ich an einem andern Orte mitteilen werde. Einige Zeitvorher diente er unter Frundsberg in der Eigenschaft eines Lands-knechtes, und war zugegen bei der Erstürmung von Rom, wo ihmgewiß, bitter zu Mute war, als er seine alte Lieblingsstadt und dieTempel, worin er selbst verehrt worden, sowie auch die Tempel seinerVerwandten, so schmählich verwüsten sah.

Besser als dem Mars und dem Apollo war es nach der großen