Die Götter im Exil. 167
jetzt im Dunkel alter Tempeltrümmer oder Zauberwälder ihr Wesentrieben und die schwachen Christcnmenschen, die sich hierin verirrt,durch ihre verführerischen Teufelskünste, durch Wollust und Schön-heit, besonders durch Tänze und Gesang, zum Abfall verlockten.Alles, was auf dieses Thema Bezug hat, die Umgestaltung der altenNaturkulte in Satansdienst und des heidnischen Priestertums inHexerei, diese Verteufelung der Götter, habe ich sowohl in den Bei-trägen „zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland"wie in den „Elementargeistcrn" unumwunden besprochen, und ichglaube mich jetzt um so mehr jeder weiteren Besprechung überheben zukönnen, da seitdem viele andere Schriftsteller, sowohl der Spur meinerAndeutungen folgend, als auch augeregt durch die Winke, welche ichüber die Wichtigkeit des Gegenstandes erteilt, jenes Thema viel weit-läuftiger, umfassender und gründlicher als ich behandelt haben. Wennsie bei dieser Gelegenheit nicht den Namen des Autors erwähnt, dersich das Verdienst der Initiative erworben, so war dieses gewiß eineVergeßlichkeit von geringem Belange. Ich selbst will einen solchenAnspruch nicht sehr hoch anschlagen. In der That, es ist wahr, dasThema, das ich aufs Tapet brachte, war keine Neuigkeit; .aber eshat mit solchem Vulgarisieren alter Ideen immer dieselbe Bewandtniswie mit dem Ei des Kolumbus. Jeder hat die Sache gewußt, aberkeiner hat sie gesagt. Ja, was ich sagte, war keine Novität undbefand sich längst gedruckt in den ehrwürdigen Folianten nndQuartantender Kvmpilatoren und Antiquare, in diesen Katakomben der Gelehr-samkeit, wo zuweilen mit einer grauenhaften Symmetrie, die noch weitschrecklicher ist als wüste Willkür, die heterogensten Gedankeuknochenaufgeschichtet. — Auch gestehe' ich, daß ebenfalls moderne Gelehrtedas erwähnte Thema behandelt; aber sie haben es, sozusagen, ein-gesargt in die hölzernen Mumienknsten ihrer konfusen und abstraktenWisscnschaftSsprache, die das große Publikum nicht entziffern kannund für ägyptische Hieroglyphen halten dürfte. Aus solchen Grüftenund Bcinhäusern habe ich den Gedanken wieder zum wirklichen Lebenheraufbeschworen durch die Zaubcrmacht des allgemein verständlichenWortes, durch die Schwarzknnst eines gesunden, klaren, volkstüm-lichen StileS!
Doch ich kehre zurück zu meinem Thema, dessen Grundidee, wieoben angedeutet, hier nicht weiter erörtert werden soll. Nur mitwenigen Worten will ich den Leser darauf aufmerksam machen, wiedie armen alten Götter, von welchen oben die Rede, zur Zeit desdefinitiven Sieges des Christentums, also im dritten Jahrhundert,in Verlegenheiten gerieten, die mit älteren traurigen Zuständenihres Götterlebens die größte Analogie boten. Sie befanden sichnämlich jetzt in dieselben betrübsamen Notwendigkeiten versetzt, worinsie sich schon weiland befanden, in jener uralten Zeit, in jener