158 Deutschland II,
Da war er wieder in dem Berg,
Darinnen sollt er nun bleiben,
So lang bis an den jüngsten Tag,
Wo ihn Gott will hinweisen.
Das soll nimmer kein Priester thunDen Menschen Mißtrost geben,
Will er denn Vuß' und Reu' empfahlt,
Die Sünde sei ihm vergeben.
Ich erinnere mich, als ich zuerst dieses Lied las, in dem er-wähnten Buche von Kormnann, überraschte mich zunächst der Kontrastseiner Sprache mit der pedantisch verlatcinisierten, unerquicklichenSchreibart des 17, Jahrhunderts, worin das Buch abgefaßt, ESwar mir, als hätte ich in einem dumpfen Bcrgschacht plötzlich einegroße Goldader entdeckt, und die stolz einfachen, urkräftigen Wortestrahlten mir so blank entgegen, daß mein Herz fast geblendet wurdevon dem unerwarteten Glanz. Ich ahnte gleich, aus diesem Liebesprach zu mir eine wohlbekannte Freudenstimme; ich vernahm darindie Töne jener verketzerten Nachtigallen, die während der Passionszcitdes Mittelalters mit gar schweigsamen Schnäblein sich versteckt haltenmußten, und nur zuweilen, wo man sie am wenigsten vermutete,etwa gar hinter einem Klostergitter, einige jauchzende Laute hervor-slattcrn ließen. Kennst du die Briefe von Heloise an Abälard?Nächst dem hohen Liebe des großen Königs sich spreche von KönigSalomo) kenne ich keinen flammenderen Gesang der Zärtlichkeit, alsdas Zwiegespräch zwischen Frau Venus und dem Tannhäuser, DiesesLied ist wie eine Schlacht der Liebe, und es fließt darin das rotesteHerzblut,
Ja, wie herrlich ist dies Gedicht! Schon zu Anfang stoßen wirauf eine Stelle von wunderbarem Effekte, Der Dichter giebt unsdie Antwort der Frau Venus, ohne zuvor die Frage des Tannhäuserberichtet zu haben, welche jene Antwort hervorruft. Durch dieseEllipse gewinnt unsere Phantasie einen freieren Spielraum und läßtuns alles erraten, was Tannhäuser hat sagen können, und wasvielleicht sehr schwierig in wenigen Worten auszudrücken war. Trotzseiner mittelalterlichen Reinheit und Frömmigkeit, hat der alte Dichterdie unheilvollen Verführnngskünste und schamlosen Liebesränke derFrau Venus trefflich zu schildern gewußt. Ein lasterhafter modernerSchriftsteller hätte die Gestalt dieses dämonischen Weibes nicht besserzeichnen können, dieser bezaubernden Hexe fostts cliadlssss eis koiums),die bei all ihrem olympischen Stolz und bei all ihrer prächtigenLeidenschaft nichtsdestoweniger die galante Frau durchblicken läßt; sieist eine himmlische, nach Ambrosia duftende Conrtisanc, eine Kamelien-Gottheit und, sozusagen, eine unterhaltene Göttin, Wenn ich meine