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geworden durch das döse Beispiel jener Götter, welche nach den Schand-thaten, die man ihnen nachsagte, kaum würdig gewesen wären, fürMenschen zu gelten. Ich habe unumwunden ausgesprochen, daßsogar Jupiter, der oberste der Götter, nach dem königlich hannoverischenKriminalrechte hundertmal daS Zuchthaus, wo nicht gar den Galgen,verdient hätte. Dagegen habe ich die Moralsprüche, die im Evan-gelium vorkommen, gehörig paraphrasiert und gezeigt, wie nach demMuster ihres göttlichen Vorbildes die ersten Christen, trotz der Ver-achtung und Verfolgung, welche sie dafür erduldeten, nur die schönsteSittenreinheit gelehrt und ausgeübt haben. Das ist die schönstePartie meines Werkes, wo ich begcisterungsvoll schildere, wie dasjunge Christentum, der kleine David, mit dem alten Heidentum indie Schranken tritt und diesen großen Goliath tötet. Aber ach! dieser
Zweikampf erscheint mir seitdem in einem sonderbaren Lichte
Ach! alle Lust und Liebe für meine Apologie versiegte mir in derBrust, als ich mir lebhaft ausdachte, wie etwa ein Gegner denTriumph des Evangeliums schildern könnte. Zu meinem Unglückfielen mir einige neuere Schriftsteller, z. B. Edward Gibbon, in dieHände, die sich eben nicht besonders günstig über jenen Sieg aus-sprachen und nicht sehr davon erbaut schienen, daß die Christen, wodas geistige Schwert und die geistige Flamme nicht hinreichten, zudem weltlichen Schwert und der weltlichen Flamme ihre Zufluchtnahmen. Ja, ich muß gestehen, daß mich endlich für die Reste desHeidentums, jene schöne Tempel und Statuen, ein schauerliches Mitleidanwandelte; denn sie gehörten nicht mehr der Religion, die schonlange, lange vor Christi Geburt tot war, sondern sie gehörten derKunst, die da ewig lebt. Es trat mir einst feucht in die Augen, alsich zufällig auf der Bibliothek die „Schntzrede für die Tempel" las,worin der alte Grieche Libanius die frommen Barbaren aufs schmerz-lichste beschwor, jene teuren Meisterwerke zu schonen, womit derbildende Geist der Hellenen die Welt verziert hatte. Aber vergebens!Jene Denkmäler einer Frühlingsperiode der Menschheit, die niewiederkehren wird und die nur einmal hervorblühen konnte, gingenunwiederbringlich zu Grunde durch den schwarzen Zerstörungseiserder Christen — >— —
Nein, fuhr der Magister fort in seiner Rede, ich will nicht nach-träglich durch Herausgabe dieses Buches teilnehmen an solchem Frevel,nein, das will ich nimmermehr . . . Und euch, ihr zerschlagenenStatuen der Schönheit, euch, ihr Manen der toten Götter, euch, dieihr nur noch liebliche Traumbilder seid im Schattenreiche der Poesie,euch opfere ich dieses Buch!
Bei diesen Worten war Heinrich Kitzler sein Manuskript in dieFlammen des Kamins, und von der Vortrcfflichkeit des Christentumsblieb nichts übrig als graue Asche. —