Die Götter im Exil. 147
Stube Punsch getrunken und der Landesvater gesungen wurde? dahabe ich nun für theologische Novitäten, deren ich zu meinem Werkebedurfte, 33 sauer erworbene Thaler an Vandenhoeck A Ruprechtbezahlt, statt mir fiir das Geld einen Pfeifenkopf zu kaufen? da habeich nun gearbeitet wie ein Hund seit zwei Jahren, zwei kostbarenLebensjahren . , , und alleS, um mich lächerlich zu inachen, um wieein ertappter Prahler die Augen niederzuschlagen, wenn die FrauKirchenrätin Planck mich fragt: Wann wird Ihre Vortrefflichkeit desChristentums herauskommen? Ach! das Buch ist fertig, fuhr derarme Mann fort und würde auch dem Publikum gefallen? denn ichhabe den Sieg des Christentums über das Heidentum darin ver-herrlicht und ich habe bewiesen, daß dadurch auch die Wahrheit unddie Vernunft über Heuchelei und Wahnsinn gesiegt. Aber ich Unglück-seligster, in tiefster Brust fühle ich, daß — —
Sprich nicht weiter! rief ich mit gerechter Entrüstung, wagenicht, Verblendeter, das Erhabene zu schwärzen und das Glänzendein den Staub zu ziehen! Wenn du auch die Wunder des Evangeliumsleugnen möchtest, so kannst du doch nicht leugnen, daß der Sieg desEvangeliums selber ein Wunder war. Eine kleine Schar wehrloserMenschen drang in die große Römerwclt, trotzte ihren Schergen undWeisen, und triumphierte durch das bloße Wort. Aber welch einWort! Das morsche Heidentum erbebte und krachte bei dem Wortedieser fremden Männer und Frauen, die ein neues Himmelreich an-kündigten und nichts fürchteten auf dör alten Erde, nicht die Tatzender wilden Tiere, nicht den Grimm der noch wilderen Menschen,nicht das Schwert, nicht die Flamme . . . denn sie selber warenSchwert und Flamme, Flamme und Schwert Gottes! Dieses Schwerthat das welke Laub und dürre Reisig abgeschlagen von dem Baumedes Lebens und ihn dadurch geheilt von der einfressendcn Fäulnis:diese Flamme hat den erstarrten Stamm wieder von innen erwärmt,daß frisches Laub und duftige Blüten hervorsproßten ... es ist dieschauerlich erhabenste Erscheinung der Weltgeschichte, dieses erste Auf-treten des Christentums, sein Kampf und sein vollkommener Sieg.
Ich sprach diese Worte mit desto würdigerem Ausdruck, da ichan jenein Abend sehr viel Eimbecker Bier zu mir genommen hatte,und meine Stimme desto volltönender erscholl.
Heinrich Kitzler ließ sich aber dadurch keineswegs verblüffen, undmit einem ironisch schmerzlichen Lächeln sprach er: Bruderherz! giebdir keine überflüssige Mühe. Alles, waS du jetzt sagst, habe ich selberin diesem Manuskripte weit besser und weit gründlicher auseinander-gesetzt. Hier habe ich den verworfenen Weltznstand zur Zeit desHeidentums aufs grellste ausgemalt, und ich darf mir schmeicheln,daß meine kühnen Pinselstriche an die Werke der besten Kirchenvätererinnern. Ich habe gezeigt, wie lasterhaft die Griechen und Römer
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