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Deutschland II.
Es ist eine eigene Sache nm die Schriftsteller«. Der eine hatGlück in der Ausübung derselben, der andere hat Unglück. Dasschlimmste Mißgeschick trifft vielleicht meinen Freund Heinrich Kitzler,Ka-o-istsr Lucklum zu Nöttingen. Keiner dort ist so gelehrt, keinerso ideenreich, keiner so fleißig wie dieser Freund, und dennoch ist bisauf diese Stunde noch kein Buch von ihm auf der Leipziger Messezum Vorschein gekommen. Der alte Stiefel auf der Bibliothek lächelteimmer, wenn Heinrich Kitzler ihn um ein Buch bat, dessen er sehrbedürftig sei für ein Werk, welches er eben unter der Feder habe.Es wird noch lange unter der Feder bleiben! murmelte dann deralte Stiefel, während er die Bücherleiter hinaufstieg. Sogar dieKöchinnen lächelten, wenn sie auf der Bibliothek die Bücher abholten„für den Kitzler".*) Der Mann galt allgemein für einen Esel, undim Grunde war er nur ein ehrlicher Mann. Keiner kannte die wahreUrsache, warum nie ein Buch von ihm herauskam, und nur durchZufall entdeckte ich sie, als ich ihn einst um Mitternacht besuchte, ummein Licht bei ihm anzuzünden; denn er war mein Stubennachbar.Er hatte eben ein großes Werk über die Vortrefflichkeit des Christen-tums vollendet; aber er schien sich darob keineswegs zu freuen undbetrachtete mit Wehmut sein Manuskript. Nun wird dein Name dochendlich, sprach ich zu ihm, im Leipziger Meßkatalog unter den fertiggewordenen Büchern prangen! Ach nein, seufzte er aus tiefster Brust,auch dieses Werk werde ich ins Feuer Wersen müssen, wie die vorigen ..,Und nun vertraute er mir sein schreckliches Geheimnis. Den armenMagister traf wirklich das schlimmste Mißgeschick, jedesmal wenn erein Buch schrieb. Nachdem er nämlich für das Thema, das er be-weisen wollte, alle seine Gründe entwickelt, glaubte er sich verpflichtet,die Einwürfe, die etwa ein Gegner anführen könnte, ebenfalls mit-zuteilen; er ergrübelte alsdann vom entgegengesetzten Standpunkteaus die scharfsinnigsten Argumente, und indem diese unbewußt inseinem Gcmüte Wurzel faßten, geschah es immer, daß, wenn dasBuch fertig war, die Meinungen des armen Verfassers sich allmählichumgewandelt hatten, und eine dem Buche ganz entgegengesetzte Über-zeugung in seinem Geiste erwachte. Er war alsdann auch ehrlichgenug, wie ein französischer Schriftsteller ebenfalls handeln würde,den Lorbeer des litterarischen Ruhmes auf dem Altäre der Wahrheitzu opfern, d. h. sein Manuskript ins Feuer zu werfen. Darumseufzte er aus so tiefster Brust, als er die Vortrefflichkeit des Christen-tums bewiesen hatte. Da habe ich nun, sprach er traurig, zwanzigKörbe Kirchenväter excerpiert; da habe ich nun ganze Nächte amStudiertische gehockt und L.ocka sunowrum gelesen, während auf deiner
") Dieser Satz fehlt in der französischen Ausgabe. Der Herausgeber.