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8 (1898) Deutschland : 2
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144 Deutschland II.

war. Charakteristisch bei dem Mahle ist der gänzliche Mangel an Salz,Die Lieder, welche die Gäste singen, sind eitel Gotteslästerungen, undsie plärren sie nach der Melodie frommer Kantiken, Die ehrwürdigstenCeremonien der Religion werden dann durch schändliche Possenreißereinachgeäfft. So wird z, B, unsere heilige Taufe verhöhnt, indem manKröten, Igel oder Ratten tauft, ganz nach dem Ritus der Kirche,und während dieser scheußlichen Handlung gebärden sich Pate undPatin wie devote Christen und schneiden die scheinheiligsten Gesichter,Das Weihwasser, womit sie jene Taufe verrichten, ist eine sehr frevcl-hafte Flüssigkeit, nämlich der Urin des Teufels. Auch das Zeichendes Kreuzes machen die Hexen, aber ganz verkehrt und mit der linkenHand; die von der romanischen Zunge sprechen dabei die WortenIn nomine Uutrioa. ^.raAngaoo, Ustrioo, a-Mru, ug'ora, Vslsntiajonanäo Aonrs Auits Aonstiu," welches soviel heißt wie:ImNamendes Patrike, des Petrike von Aragonien, zu dieser Stunde, zu dieserStunde, Valencia, all unser Elend ist vorbei!" Zur Verhöhnung dergöttlichen Lehre von der Liebe und Vergebung erhebt der höllische Bockzuletzt seine furchtbarste Donnerstimme und ruft:Rächt euch, rächteuch, sonst müßt ihr sterben!" Dieses sind die sakramentalen Worte,womit er den Hexenkonvent aufhebt, und um den erhabensten Aktder Passion zu parodieren, will auch der Antichrist sich selbst zumOpfer bringen, aber nicht zum Heil, sondern zum Unheil der Mensch-heit: der Bock verbrennt sich endlich selbst, er lodert auf mit großemFlammengeprassel, und von seiner Asche sucht jede Hexe eine Handvollzu erhaschen, um sie zu späteren Malefizien zu gebrauchen. Der Ballund der Schmaus sind alsdann zu Ende, der Hahn kräht, die Damenfangen an sehr zu frieren, und wie sie gekommen, so fahren sie vondanncn, aber noch schneller, und manche Frau Hexe legt sich wiederzu Bette zu ihrem schnarchenden Gemahle, der es nicht bemerkt hatte,daß nur ein Scheit Holz, welches die Gestalt seiner Ehehälfte ange-nommen, in ihrer Abwesenheit an seiner Seite lag.

Auch ich will mich jetzt zu Bette begeben, denn ich habe, teurer Freund,bis tief indie Nacht hinein geschrieben, um die Notizen zusammenzustellen,die Sie aufgezeichnet zu sehen wünschen. Ich habe, weniger dabei aneinen Theaterdircktor gedacht, der mein Ballett auf die Bühne bringensoll, als vielmehr an den Gentleman von hoher Bildung, den allesinteressiert, was Kunst und Gedanken ist. Ja, mein Freund, Sie ver-stehen den flüchtigsten Wink des Dichter?, und jedes Wort von Ihnen istwieder befruchtend für diesen. Es ist mir unbegreiflich, wie Sie, dererprobt praktische Geschäftsmann, doch zugleich mit jenem außerordent-lichen Sinn für das Schöne begabt sein konnten, und noch mehr erstauneich darüber, wie Sie unter allen Tribulationen Ihrer Bcrufsthätigkcitsich so viel Liebe und Begeisterung für Poesie zu erhalten wußten!