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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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Der Doktor Faust. 143

die Greuel der Sabbathfeier sähen. Zu diesen Greueln gehört nament-lich die Aufnahme neuer Hexen in den schwarzen Bund, wo dieNvdize eingeweiht wird in die gransenhaftesten Mysterien. Sie wirdgleichsam offiziell mit der Hölle vermählt, und der Teufel, ihrfinsterer Gatte, giebt ihr bei dieser Gelegenheit auch einen neuenNamen, einen nom cl'amonr, und brennt ihr ein geheimes Merk-mal ein, als ein Andenken seiner Zärtlichkeit. Besagtes Merkmalist so verborgen, daß der Untersuchungsrichter bei den Hexen-prozesscn oft seine liebe Not hatte, dasselbe aufzufinden, und des-halb der Jnquisitin von der Hand des Büttels alle Haare vom Leibeabschneiden ließ.

Der Fürst der Hölle besitzt aber unter den Hexen der Versammlung noch eine Auserwählte, welche den Titel:Oberste Braut",tlrebi-sposa, führt und gleichsam seine Leibmaitresse ist. Ihr Ballkvstüm ist sehr einfach, mehr als einfach, denn es besteht aus einemeinzigen goldenen Schuh, weshalb sie auch die Domina mit demgüldenen Schuh genannt wird. Sie ist ein schönes großes, beinähekolossales Weib, denn der Teufel ist nicht bloß ein Kenner schönerFormen, ein Artist, sondern auch ein Liebhaber von Fleisch, und erdenkt: Je mehr Fleisch, desto größer die Sünde. Ja, in seinemRaffinement der Frevelhaftigkeit sucht er die Sünde noch dadurch zusteigern, daß er nie eine unverheiratete Person, sondern immer eineVermählte zu seiner Oberbraut wählt, den Ehebruch kumulierendmit der einfachen Unzucht. Auch eine gute Tänzerin muß sie sein,und bei einer außerordentlichen Sabbathfeier sah man wohl den er-lauchten Bock von seinem Postamente herabsteigen und höchstselbstmit seiner nackten Schönen einen sonderbaren Tanz aufführen, denich nicht beschreiben will,aus hochbedenklichen christlichen lirjachen",wie der alte Widman sagen würde. Nur so viel darf ich andeuten,daß es ein alter Natioualtauz Sodvmas ist, dessen Traditionen, nach-dem diese Stadt unterging, von den Töchtern Lots gerettet wurdenund sich bis auf heutigen Tag erhalten haben, wie ich denn selberjenen Tanz sehr oft tanzen sah zu Paris, Rus Laint-Honora idlo. 353,neben der Kirche der heiligen Assomption. Erwägt man nun, daßes auf dem Tanzplatz der Hexen keine bewaffnete Moral giebt, diein der Uniform von Municipalgardisten die bacchantische Lust zuhemmen weiß, so laßt sich leicht erraten, welche Bvcksprünge bei obenerwähntem Uns cks cisux zum Vorschein kommen mochten.

Nach manchen Aussagen Pflegt auch der große Bock und seineOberbraut dem Bankette zu präsidieren, welches nach dem Tanzegehalten wird. Das Tafelgeschirr und die Speisen bei jenem Gast-mahl sind von außerordentlicher Kostbarkeit und Köstlichkeit: dochwer etwas davon einsteckt, findet den andern Tag, daß der goldene Bechernur ein irdencS Töpfchen und der schöne Kuchen nur ein Mistfladcu